Die Wetterprognose ist gut für Bruno Baumgartners Fehmarnbelt-Querung.

Bruno Baumgartner

Bruno Baumgartner Fehmarn
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Open Water | 27. August 2012

Brunos Blog Bruno Baumgartner: Wo zum Henker ist Dänemark?

Bruno Baumgartner | Im September startet Bruno Baumgartner seinen zweiten Versuch, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. In dieser Woche möchte er als Vorbereitung von Fehmarn nach Dänemark schwimmen. Von seiner Reise nach Fehmarn und den Erlebnissen dort, berichtet er in seinem Blog.
Liebe swim.de Freunde,
nach einem herrlichen Flug vom Provinzflughafen Bern aus landete ich gegen 8.20 Uhr überpünktlich in Hamburg. Wie ihr wisst, ist Fliegen für mich etwa so als hätte man Lepra und nässenden Fusspilz gleichzeitig und würde sich dann noch eine schwere Grippe einfangen. Doch diesmal machte es richtig Spaß. Ich mag diese Starts vom Provinzflughafen Bern, der sich nur 30 Minuten von meinem Wohnort befindet. Fliegen ist da fast so wie Zug fahren.
Vermutlich könnte man auch über den Zaun klettern und dem Flugzeug nachrennen, wenn man zu spät kommt. Der Schaffner, sprich Pilot, würde dann rasch anhalten, die Tür öffnen, das Ticket selbst knipsen und grinsend sagen: „Na, da hast du aber Schwein gehabt. Spring auf – wir wollen los!“ Selbst die Übergabe des Mietwagens klappte nach einigem Suchen reibungslos und schon bald war ich als langsamster Fahrer unterwegs nach Hamburg zu Frank Wechsel, der mich freundlicherweise zu seinem Kombi-Gartenfest eingeladen hatte.

Schweizer auf der deutschen Autobahn

Nach einem herzlichen Empfang, viel Kaffee und Kuchen und einer kurzen Projektbesprechung machte ich mich schließlich gegen 17 Uhr auf die Fahrt nach Lemkenhafen, wo ich im Jugendlandheim übernachten wollte, das von Kapitän Wolfgang Schlosser geführt wird. Ahhhh Deutsche Autobahn – was für ein Erlebnis für einen Schweizer. Endlich freie Fahrt und keine Geschwindigkeitsbegrenzung.
Der kleine Corsa orgelte in den höchsten Tönen und ich entlockte ihm Drehzahlen, die das Motörchen wohl noch nie erlebt hatte. Die Nadel pendelte sich bei 180 ein und ich schrie gegen das Dröhnen und Ächzen der seit Kurzem zukunftsorientierten Opel-Technologie an: „Ich bin der König der Welt!!“ Doch der Fahrer des Audi A6, der mich nur Sekunden später aus dem Nichts auftauchend von der Bahn schubste, schien diesen Titel bereits für sich zu beanspruchen. „Vorspruch durch Technik“ – dachte ich und versuchte mir vorzustellen, ob der Tacho dieses Wagens die Geschwindigkeit wohl tatsächlich noch in km/h anzeigte oder doch eher in Wap oder Lichtgeschwindigkeit. Und obwohl der durch hektisches Lichthupen eingeleitete und durchwegs verstörende Überholvorgang nur gefühlte Millisekunden dauerte, glaubte ich doch schemenhaft die Umrisse eines erhobenen Mittelfingers erkennen zu können.

Geschwindigkeitsorgien

Selbst mir als Schweizer war klar, dass es sich dabei wohl nicht um einen interkulturellen Austausch von Freundlichkeiten handelte. Es hätte nichts gebracht, den freundlichen Gruß zu erwidern, denn das Fahrzeug befand sich schon 600 Meter vor mir, als ich als langsamer Berner endlich den Satz: „Aber unsere Steuer-CD’s kaufen – das könnt ihr!“, über die Lippen brachte. Ich beschloss, meine Geschwindigkeitsorgien von jetzt an ausschließlich auf der rechten Spur zu feiern und nur noch dann zu überholen, wenn die Not es gebot.
Als ich endlich über die Fehmarnsundbrücke fuhr, wurden auf einen Schlag Erinnerungen an Gibraltar wach. Natürlich nicht in Bezug auf die Landschaft, sondern wegen der riesigen Windkraftwerke. Sie sind ein untrügliches Zeichen dafür, welche Kraft vor allem für Strömungen und Wellen verantwortlich ist. Die Gezeiten spielen bei der Beltquerung eine eher untergeordnete Rolle. Es ist der Wind, der alles begünstigen, aber leider auch zunichte machen kann.

Die Natur ist mir dir oder gegen dich

Ein Gegenwind von Dänemark kann den Schwimmer in einer Gegenströmung von 1,9 Knoten (ca. 3,5km/h) stundenlang festhalten. Etwas, das sich Schwimmer vielleicht gar nicht vorstellen können, die ihren Rekord unter besten Bedingungen aufgestellt haben. Die Natur ist mir dir oder gegen dich. Die Entscheidung fällt oft erst in letzter Sekunde und außerordentlich spontan.
Müde stellte ich meinen gequälten Corsa gegen 20.45 Uhr auf den Parkplatz des Jungendlandheims und platzte mitten in das Abschiedsgrillfest einer Feriengruppe. Kapitän Wolfgang Schlosser war gerade dabei, das Multitasking neu zu definieren und spielte neben Gastgeber und Bedienung hinter der Theke auch gleich noch den DJ für eine Horde von Jugendlichen. Er bot mir ein Bierchen an und meinte, es könne recht laut werden hier im Landheim. Als Alternative bot er mir eine seiner Ferienwohnungen an. Doch die preislich sehr vorteilhafte Situation im Landheim mit Verpflegung und Einzelzimmer, Dusche/WC hatte es mir schon angetan und ich beschloss, das Risiko der Lärmbelästigung einzugehen.

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