Geschafft! Bruno Baumgartners Freude ist riesig, als er endlich dänischen Sandboden unter den Füßen hat.

Frank Wechsel / spomedis

Brunos Beltquerung
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Open Water | 13. September 2012

Brunos Blog Bruno Baumgartner: Von Quallen und Glücksfällen

Bruno Baumgartner | Es waren aufregende Stunden, als Bruno Baumgartner den Fehmarnbelt im August durchschwommen ist. In seinem Blog lässt er noch einmal alles Revue passieren: das Quallenmeer, den Nebel und die unbändige Freude nach der erfolgreichen Beltquerung.
Liebe swim.de Freunde,
Wer im Open Water schwimmt der weiß, dass die Verhältnisse nie dieselben sind und dass sich die Gegebenheiten in einem Gewässer während eines Schwimmens urplötzlich verändern können. Wind kann aufkommen und Wellen auslösen. Plötzlicher Nebel kann einem die Sicht und damit jede Orientierung rauben. Regen kann Sprühwasser erzeugen, das einen beim Atmen behindert.

Vergleiche sind unmöglich

Möglichkeiten und Widrigkeiten sind mannigfaltig und zudem beliebig kombinierbar. Das macht die Vergleichbarkeit von Leistungen eigentlich praktisch unmöglich. Eine Strecke, die heute in Rekordzeit geschwommen wird, kann morgen unbezwingbar sein. Als ich am Morgen des 29. August 2012 von Mani mit einem kleinen Renault, der nicht viel größer war als mein rechter Schuh, hoch nach Puttgarden gefahren wurde, dachte ich nicht über solche Dinge nach.
Ich genoss die Aussicht auf Land und Leute und lauschte gespannt Manis Schilderungen über dies und jenes. Die durchwegs grüne Landschaft von Fehmarn huschte am Fenster vorbei und erweckte bei mir den Eindruck, dass der „Maler“ hier wohl eine Lieblingsfarbe gehabt haben musste. Bald standen wir am Strand von Puttgarden etwas links vom Fährhafen und warteten auf das Begleitboot – den Rochen. Das Team bestehend aus Kapitän Joachim Otto, Navigator Wolfgang Schlosser und einem höchst zweckentfremdeten Frank Wechsel, den ich kurzerhand vom Journalisten zum Supporter umfunktioniert hatte.

Fehlalarm um 5 Uhr morgens

Die Crew war mit dem Boot vom anderen Ende der Insel bereits drei Stunden vor mir aufgebrochen, um rechtzeitig gegen 8.30 Uhr am Startgelände bereit zu sein. Ich dagegen hätte eigentlich getrost bis um 7.30 Uhr in den Federn bleiben können, wurde aber wegen eines Fehlalarms schon um 5 Uhr von einem aufgeregten Wolfgang mit hochrotem Kopf aus dem Tiefschlaf gepoltert. Als Konsument diverser Folgen von Twilight-Zone bin ich eigentlich felsenfest davon überzeugt, dass die Welt wie wir sie kennen erst ab 9 Uhr wirklich zu existieren beginnt. Bis dahin ist sie nur ein dunkles, endloses Loch, in dem sich Zeit und Raum in der Unendlichkeit verlieren.

Doch trotz der Tatsache, dass ich nach diesem Weckruf keine fünf Minuten mehr geschlafen hatte, fühlte ich mich relativ frisch und ausgeruht. Die Ostsee zeigte sich malerisch und spiegelglatt als der Rochen sich bis auf 300 Meter dem Startplatz näherte. Ich fragte mich, wie es weiter draußen aussehen würde. Doch für solche Überlegungen blieb jetzt keine Zeit mehr.

Der Schalk im Nacken

Es folgte ein eingespieltes Ritual aus Umziehen, Kappe auf die müde Stirn klatschen lassen, Einfetten und Schwimmbrille so perfekt wie möglich aufsetzen. Das breite Grinsen in Manis Charaktergesicht als er mir viel Glück wünschte, brachte mich unwillkürlich zum Lachen. Er war einer jener Kerle, die man einfach gern haben musste. Immer einen Schalk im Nacken, den er mit Hamburger Dialekt zum Besten gab.
Am Abend öfters mal eine Flasche Whisky auf dem Tisch, ohne aber jemals betüddelt zu wirken. Wer die Diskussionen zwischen ihm und Haus-Chefin Gitti in der Küche lauschte, war sich nicht ganz sicher, ob sich die beiden nun mochten oder gleich bei den Haaren nehmen würden. Manis Grinsen gab mir Selbstvertrauen und ich hätte mich gern noch etwas mit ihm unterhalten. Doch in diesem Moment rief Wolfgang Schlosser an und gab die Bereitschaft zum Aufbruch bekannt. Mani verabschiedete mich mit einem „Echten-Kerle-Händedruck“, der einem den roten Saft zurück in den Oberarm presst und kurz darauf watete ich in die kühle Ostsee hinaus.

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