Training im "Höllenbad": Für Freiwasser-Liebhaber wie Bruno Baumgartner eine schwere Zeit.

Bruno Baumgartner / channelswimming.ch

Höllenbad
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Open Water | 26. Oktober 2011

Brunos Blog Bruno Baumgartner und der zweite Versuch

Bruno Baumgartner | Vor fünf Wochen scheiterte Bruno Baumgartner beim Versuch, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Jetzt steht fest: Der Schweizer wird das Abenteuer ein zweites Mal wagen – zwischen dem 22. und 28. September 2012. Zunächst aber steht das Training im "Höllenbad" auf seinem Plan.
Liebe swim.de-Freunde,
jetzt hat sie also definitiv wieder begonnen, diese schwere Zeit zwischen dem Ende der alten und dem Beginn der neuen Freibadsaison. Die nächsten sieben Monate verbringen die meisten von uns im Hallenbad oder auch „Höllenbad“, wie wir es liebevoll nennen. Aber auch „Schwimmerkäfig“, „Schorfsammelstelle“, „25-Meter-Wendeplatz“ oder „Wasserkinderhort“ sind gerne gebrauchte Ausdrücke.

Herbst-Depression im Hallenbad

Das Training vom Freibad oder Freiwasser ins Hallenbad zu verlegen, führt bei vielen von uns zu einer veritablen Herbst-Depression. So oder ähnlich fühlt sich wohl jemand, der eine längere Haftstrafe antreten muss. Wer das Glück hat, an einem Ort zu wohnen, der in der Nähe eines großen Hallenbades mit 50-Meter-Becken und abgesperrten Bahnen liegt, der wird diesen Frust vermutlich nicht ganz nachvollziehen können. Doch wer 120 Kilometer von einem solchen Ort entfernt lebt und gerne richtig trainieren möchte, der wird wissen wie es ist, sich in einer dieser Fußpilz-Zuchten eine 25-Meter-Bahn mit drei Schwimmern und sieben Badegästen teilen zu müssen.
Ich ermittle die Anzahl Badegäste übrigens schon längst nicht mehr dadurch, dass ich sie einzeln zähle. Ich zähle einfach die unter Wasser gesichteten Pflaster und Schorfteile und rechne das Ergebnis dann hoch. Das Resultat weist eine verblüffende Genauigkeit auf.
Der Freiwasserschwimmer ist halt ein Tierchen, das sich in Gefangenschaft nicht so recht entwickeln mag. Er gleicht da stark dem Orca, dessen Rückenflosse in Aquaparks schlaff und krumm wird. Sieben Monate dümpelt er dann vor sich hin – und das Feuer der Leidenschaft scheint zu erlöschen. Doch unter der Oberfläche schwelt es weiter, um dann in ferner Zukunft durch den Windhauch des Frühlings wieder zu einem lodernden Feuer entfacht zu werden.

Winterzeit gleich Wassermangel

Lebt man nicht gerade in Zürich, dann scheint es in der Schweiz während der Winterzeit an allen Ecken und Enden an Wasser-  respektive an Trainingsfläche zu mangeln. Wenn es im Kanton Bern um den Bau eines neuen Hallenbades oder die Überdachung eines bestehenden Freibades geht, dann zeigt man sich gerne arm und wendet mit weinerlicher Rotznase jammernd das Innere der leeren Hosentaschen nach außen.
Auch in diesem Sommer wurden wieder fleißig Unterschriften für das seit Jahren heiß ersehnte Winterdach unseres Thuner Strandbades gesammelt. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass die Altpapiersammlung der Behörde und der Eingang für Petitionen wohl eine bemerkenswerte Ähnlichkeit aufweisen müssen – Verwechslungen nicht ausgeschlossen. Und so wird die Unterschriftensammlung wohl auch dieses Mal wieder irgendwie verpuffen.

Schwimmen ist nicht "König Fußball"

Aber ich will nicht klagen! Dafür haben wir in Thun ein wirklich schönes und großes Fussballstadion erhalten. Und mal Hand aufs Herz – Schwimmen ist gegenüber „König Fußball“ sowieso blöd und langweilig. Wo echte Männer mit behaarten Beinen auf grünem Rasen herumtollen und schwitzend einem Stück Leder hinterherjagen, da schlägt das Herz der Nation noch höher.
Und natürlich kann man die abweisende Haltung der Stadtväter gegenüber einem neuen Hallenbad durchaus verstehen. Man liest und sieht einfach zu viel von diesen Schwimm-Hooligans in den Medien. Da werden Schwimmer und Starter während den Veranstaltungen mit Bierflaschen beworfen oder müssen übelste Beschimpfungen erdulden. Nach den Events kommt es unter den Schwimmfans regelmäßig zu schweren Ausschreitungen, die nur durch eine Hundertschaft von Polizeibeamten einigermaßen im Griff gehalten werden können. Dies alles verursacht immense Kosten und führt zu einem gewissen Verständnis dafür, dass man nicht noch mehr Schwimmstadien als potentielle Krawallherde bauen will.
Zudem bringt so ein Fußballstation der nach sinnvollen Freizeitbeschäftigungen suchenden Bevölkerung weitaus mehr als ein Schwimmbad. Der heilige Rasen des neuen Stadions ist eine Art Begegnungsstätte und steht der ganzen Bevölkerung ständig zur Verfügung. Am Rand des Spielfeldes findet man Spaten und andere Gartengeräte, um zum Beispiel im Elfmeterraum eine schöne Feuergrube für ein abendliches Barbecue ausheben zu können. Hier spielen fröhliche Kinder und tollen munter auf den Rasen herum, während Golf-Fans ohne „Tee“ den Abschlag üben.
Dass dabei die eine oder andere Grasnarbe durch die Gegend fliegt, stört hier wirklich niemanden. Auch Netze für Feder- oder Volleyball dürfen selbstverständlich aufgestellt werden. Und so wird aus dem Stadion weit mehr als ein gelegentlich genutzter Betonklotz für Gras- und Lederfetischisten. Es ist vielmehr eine Art Freizeitpark für die breite Bevölkerung. Vor jedem Training schaufeln die Fußballer freudig die entstandenen Löcher zu und betrachten das als eine Art von sozialem Aufwärmen vor dem eigentlichen Training.

Wettstöhnen oder Wettschwimmen

Außerdem gehört Schwimmen bekanntermaßen zu den verletzungsintensivsten und risikoreichsten Sportarten überhaupt. Sportärzte klagen mittlerweile ja schon sehr darüber, dass sie praktisch nur noch „Schwimmverletzungen“ behandeln müssten und raten zu äußerster Vorsicht gegenüber dieser Freizeitaktivität.
Im Risikoranking der Versicherungen hat sich das Schwimmen mittlerweile ganz knapp auf Platz zwei, gleich hinter dem Base-Jumping, eingependelt.  Das mag wohl auch die Erklärung dafür sein, dass unsere Krankenkassen zwar einen Beitrag für den Besuch eines Fitnesscenters aber keinen müden Cent für ein Abonnement für das Hallenbad bezahlen. Als Grund dafür mag angeführt werden, dass man im Fitnesscenter wohl unter Aufsicht trainiere, wogegen man im Hallenbad auch nur herumplauschen könne.
Ich will aber nicht mit Testosteron-geschwängerten Anabolikabolzen um die Wette stöhnen. In gewissen Fitnesscentern fragt man sich tatsächlich, ob es versteckte Mikrofone gibt und die Inhaber deren Ausbeute als lukrativen Nebenerwerb zur Vertonung von Gay-Pornos verkaufen.

Des Schwimmers Frust

Ich denke dieser triefende Sarkasmus spricht Bände und verdeutlicht etwas den Frust der Schwimmgemeinde darüber, dass es für eine der schönsten und gesündesten Sportarten überhaupt einfach keinen Platz oder kein Geld zu geben scheint.
Wer sich einmal genau über das Schwimmen informiert, der wird schnell feststellen, dass die viel gelobte Schonung der Gelenke längst nicht der einzige gesundheitliche Vorteil ist. So stärkt Schwimmen unter anderem den Herzmuskel, fördert die Lungenfunktion, verbessert die Durchblutung, stärkt die Abwehrkräfte, hilft bei der Bewältigung von Stress und so weiter und so fort. Die Liste lässt sich praktisch endlos fortsetzen.
Da sollte doch ein kluger Kopf mal auf den Gedanken kommen, Schwimmen auch aus dem  Gesichtspunkt der Gesundheitsvorsorge mehr zu fördern und Wasserfläche zu schaffen. Aber dazu müsste er oder sie wohl erst einmal den Bedarf erkennen und sich zum Beispiel an einem Samstagnachmittag ins örtliche Hallenbad begeben – wenn gerade ein Kinderschwimmkurs stattfindet.

Frust über die Fülle

Oh, das soll jetzt nicht etwa eine Mobilmachung gegen Kinderschwimmkurse sein. Schließlich sind die Kinder unsere Zukunft – aber wozu sind deren Eltern genau nütze? Diverse Gespräche mit dem Schwimmtrainer haben mir gezeigt, dass ich mit meiner Vermutung nicht so ganz falsch liege: Gewisse Eltern scheinen der Meinung zu sein, dass ihre Sprösslinge es unmöglich schaffen können, ganze 45 Minuten selbständig zu verbringen - geschweige denn, überhaupt am Leben zu bleiben. So LAUFEN die lieben Eltern auf der Bahn neben dem Kinderschwimmkurs immer an der Leine auf und ab. Und, Ihr werdet es sicher schon erraten haben – das ist exakt jene Bahn, in der wir zusammen mit den bereits erwähnten sieben Badegästen und drei anderen Schwimmern zu trainieren versuchen.
Dass hier ab und an die Emotionen hochkochen ist wohl verständlich. Uns sind sie schlicht und einfach nur im Weg, und ihren Kleinen nehmen sie eine schöne Gelegenheit, selbständiger zu werden und Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Aber warum sollte Glucken-Mama oder Glucken-Papa schon in die Fähigkeiten von gleich ZWEI in erster Hilfe ausgebildeten Aufsichtspersonen Vertrauen setzen? Sie schwimmen lieber mit geblähtem Gefieder und duselig debilem Gesichtsausdruck an der Leine entlang und breiten ihre beschützenden Schwingen über die hilflos im tiefen Ozean umhertreibenden Küken aus.
Es versteht sich von selbst, dass sie auf der Bahn keine Runden schwimmen, weil sie sich dabei ja um weitere 1,2 Meter vom eben erst geschlüpften Nachwuchs entfernen müssten. So treffen wir uns meist in der Mitte der Bahn zum gemütlichen Plausch, bei dem sich schon mal die eine oder andere Halsschlagader mehrere Zentimeter von der Haut abhebt und allerlei Nettigkeiten ausgetauscht werden. Ich habe es schon mit höflicher Aufklärung versucht. Einsicht – Fehlanzeige!
Es ist wie überall im Tierreich – vor allem Mütter verteidigen ihren Nachwuchs ohne Rücksicht auf Verluste. Und so wird der böse Schwimmer, der sich an die Regeln der Schwimmerbahn hält, gleich mit in die Reihe potentieller Gefahren eingegliedert. Papa ist da meist etwas pragmatischer eingestellt, doch auch er läuft regelmäßig an der erwähnten Leine der Nebenbahn im Wasser auf und ab. Doch der duselig, debile Gesichtsausdruck bei ihm rührt eher von der wasserdichten Digitalkamera, mit der er 45 Minuten Schwimmversuche in Bild und Ton festhält, um damit zu Hause später ahnungslose Gäste zu foltern.

Fußpilz adé!

So, jetzt habe ich mir den ganzen Frust von der Seele geschrieben und möchte zum Schluss doch auch noch etwas Nützliches zu Eurem Hallenbadwinter beitragen: Fußpilz ist wohl eines der größten Probleme. Kaum ein Winter vergeht ohne juckende Stellen zwischen den Zehen. Hier die besten sechs Tipps, wie ihr diese vermeiden könnt:
Brunos Tipps zum Vermeiden von Fußpilz
Tipp 1: Badelatschen tragen! Das ist zwar mühsam aber hilft am besten.
 
Tipp 2: Fußpilzdusche meiden! Nirgendwo trampeln mehr „befallene“ Füße auf kleinstem Raum herum. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Bereich um die Fußduschen eine wahre Sammelstelle für Erreger ist. Zudem ist die Einwirkzeit des Mittels viel zu kurz. Es sollte rund 15 Minuten auf der Haut trocknen können. Die meisten wischen es aber beim Abtrocknen mit dem Handtuch gleich wieder ab.
 
Tipp 3: Füße gründlich trocknen! Vor allem sollte man den Zehenzwischenräumen größte Beachtung schenken, denn in der dort vorhandenen Restfeuchtigkeit gedeihen die kleinen „Latschen-Champignons“ am besten.
 
Tipp 4: Füße eventuell mit einem speziellen Desinfektionsmittel (zum Beispiel „Desinfé“) einreiben und danach weiteren Kontakt mit dem Boden vermeiden!
 
Tipp 5: Socken täglich wechseln und bei Pilzbefall bei 90 Grad waschen!
 
Tipp 6: Bei Pilzbefall sollte die Eigenbehandlung mit Salbe noch zwei Wochen, nachdem keine sichtbaren Symptome mehr erkennbar sind, weitergeführt werden.
Diese Tipps sollten allen, die Pilze lieber in der Rahmsauce oder im Salat mögen, eine juckfreie Winterzeit garantieren.

Der zweite Versuch

Für mich persönlich  hat sich in dieser tristen Herbstzeit noch ein zusätzlicher Lichtblick ergeben: Nach reiflichen Überlegungen habe ich mich dazu entschlossen, den Kanal schon im nächsten Jahr wieder anzupacken! Mein neuer Slot, der diesmal ein „Second Slot“ sein wird, ist vom 22. bis 28.09.2012 – und Euch halte ich bis dahin natürlich immer auf dem Laufenden!
Ihr werdet mich wohl also noch eine Weile erdulden müssen. :-)
Euer Bruno

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