Statt im Open Water zu schwimmen, geht Bruno Baumgartner jetzt ins Fitnessstudio.

privat

Bruno Baumgartner  im Fitnessstudio
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Open Water | 4. Dezember 2012

Brunos Blog  Bruno Baumgartner: Tigerwalk

Bruno Baumgartner | Ein Open-Water-Schwimmer fühlt sich im 25-Meter-Becken wie ein Tiger im Käfig. So zumindest geht es gerade swim-Blogger Bruno Baumgartner, der in der kalten Jahreszeit andere Gefilde als Ärmelkanal und Fehmarnbelt aufsucht.
Liebe swim.de Freunde,
nicht nur die Bewohner der östlichen Bundesländer hatten sich die Zeit der Wende vollkommen anders vorgestellt. Vielleicht blicken sie gar etwas neidisch auf die 200 Stück, die mich im Moment pro Training im 25-Meter-Becken erwarten. Mit so viel Übung wäre ihnen die Vereinigung sicher leichter gefallen.
Es ist Winter geworden und für Open-Water-Schwimmer ist kein Wettkampf weit und breit in Sicht. Es sei denn, man verfügt über ausreichend Eigen- oder zumindest problemlos veruntreubares Fremdkapital. Dann stehen einem die wärmeren Regionen dieser Erde natürlich mit all ihren Attraktionen und Wettkämpfen jederzeit offen. Doch bei mir ist das zurzeit leider gerade nicht so.

Kein EU-Rettungsschirm

Mit dem Ende des „Abenteuers Ärmelkanal“ meldete auch die für solche Fälle vorgesehene Brieftasche so ziemlich gleichzeitig einen dramatischen Rückgang der verfügbaren Geldmenge. Und weil die Zuflucht unter einen EU-Rettungsschirm nicht bewilligt wurde, ist teuren Reisen vorerst einmal der Riegel vorgeschoben. Man(n) neigt in solchen Fällen dazu, „Home sweet home“ als das Maß aller Dinge zu zelebrieren! Schließlich will man im inneren Gleichgewicht bleiben und das Leben nicht komplizierter machen, als es ohnehin schon ist.

Und Hand aufs Herz liebe Freunde des gepflegten Wassers – wo ist es für einen Schwimmer schon schöner, als im örtlichen 25-Meter-Hallenbad? Denn heißt man nicht gerade Lewis Pugh oder Bruno Dobelmann, denen der Aufenthalt im Wasser erst bei heimeligen 4 Grad so richtig Freude macht, dann sehnt man sich nach etwas wärmeren Umgebungstemperaturen. Und da nächstes Jahr für mich keine Durchquerung der Beringstraße, sondern etwas wesentlich wärmeres geplant ist, brauche ich mich zurzeit glücklicherweise auch nicht in einen schwimmenden Eiswürfel mit gelber Badekappe zu verwandeln.

Wunsch nach mehr Wasserfläche

Also ab ins Hallenbad – es wird schon nicht so schlimm sein! Ja, und gelbe Kühlschränke sind galoppierende Schweine, nur halt einfach ohne Sattel. Dieser Satz macht zumindest ebenso wenig Sinn, wie der vorhergehende. Es scheint fast, als hätte ich mein Ziel erreicht, das Schwimmen populärer zu machen. Jeder tut es zurzeit und wieder einmal keimt der unterschwellige Wunsch nach mehr Wasserfläche in mir auf. Eigentlich hat sich im Vergleich zum letzten Jahr nicht wirklich viel verändert. Lediglich, dass die Brustschwimmer jetzt scheinbar den Unterwasser-Gangnam-Style für sich entdeckt haben und es so problemlos schaffen, die ganze Bahn für den etwas zügigeren Transitverkehr zu sperren.

Komischerweise macht mir das gerade nicht wirklich viel aus. Als ich im letzten Jahr wieder die Halle benutzen musste, hätte ich vor lauter Frust heulen können. Doch diesmal macht sich eine gewisse Gelassenheit in mir breit. Vielleicht liegt es daran, dass ich reine Aufbauarbeit betreibe und versuche meine Schulter nicht in Stücke zu reißen. So ziehe ich einfach recht langsam meine Bahnen und fühle mich dabei gefangen wie ein Tiger, der lethargisch im Käfig hin und her trottet. Immer den verlockenden Duft nach Freiheit und Weite in der Nase. Dabei weiche ich allen Hindernissen so gut wie möglich aus. Das ist wesentlich einfacher, als wenn man auf einer vollgestopften Bahn 4 x 100 Meter Lagen zu schwimmen versucht.

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