Zur Sicherheit trägt Bruno Baumgartner im Freiwasser immer eine gelbe Badekappe. Damit können ihn Surfer, Kitesurfer und Bootsführer rechtzeitig sehen.

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Sicherheit
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Open Water | 7. Juni 2011

Brunos Blog Bruno Baumgartner: Sicherheit im Freiwasserschwimmen

Bruno Baumgartner | Wenn Bruno Baumgartner im September versucht, den Ärmelkanal zu durchschwimmen, spielt Sicherheit die größte Rolle. Diese legt der Schweizer auch allen anderen Schwimmern ans Herz und ruft in seinem aktuellen Blogeintrag zu mehr Achtsamkeit beim Freiwasserschwimmen auf.
Liebe swim.de-Freunde,
100-prozentige Sicherheit ist wie eine kalorienfreie Schokoladentorte mit Sahneüberzug, die sich prima zum Abnehmen eignet. Kurz: Es gibt sie einfach nicht. Wir wiegen uns zwar gern darin, schließen Versicherungen ab, um sie uns zu erkaufen oder tragen Helme, Brustpanzer, Knieschoner und Handschuhe, um mit ihr eine trügerische Freundschaft zu schließen. Eines lässt sich dabei aber nicht verleugnen. Der Mensch ist ein zerbrechliches kleines Wesen, dessen Kaffeeklatsch mit der Sicherheit oft durch Tante Schicksal unterbrochen wird.
Bitte lasst Euch durch diese Worte nicht desillusionieren und verzichtet auf keinen Fall ab jetzt auf Sicherheitsmaßnahmen. Es geht mir allein darum zu sagen, dass es Menschen gibt, die ihr Leben lang mit fast 100 km/h mit dem Rennrad Pass-Strassen hinunterdonnern können, und das Schlimmste, was ihnen dabei passiert, ist das gelegentliche Verschlucken einer Fliege. Andere dagegen erleiden im hüfttiefen Wasser einen Schwächeanfall und ertrinken. Das könnte die Vermutung nahe legen, dass irgendwo ein ziemlich dickes Buch existiert, das viele Namen und Daten enthält. Trotzdem lassen sich außerplanmäßige Abgänge durch den schon erwähnten GMV und geeignete Sicherheitsmassnahmen vermeiden.
Ich schreibe diese Zeilen nicht ohne Grund. In der vergangenen Woche gab es hier im Thunersee nämlich erneut einen tragischen Unfall.  Ein Freiwasserschwimmer geriet dabei unter ein ablegendes Kursschiff. Er hatte unfassbares Glück und wurde nicht von der Schraube erfasst. Er schaffte es sogar, sich aus eigener Kraft an das etwa 40 Meter entfernte Ufer zu retten. Trotzdem erlitt er Knochenbrüche an den Beinen und musste mit dem Helikopter ins Spital geflogen werden. Ein Insider meint, es sei noch nicht sicher, ob der Triathlet jemals wieder richtig gehen können, geschweige denn seinen Sport wieder ausüben kann. Der Unfall geschah vor dem Hafen von Spiez, wo das Kursschiff diagonal in Richtung Interlaken den Hafen verlässt. Da der Mann nur seinen schwarzen Neoprenanzug und keine gut sichtbare Badekappe trug, war er für den Kapitän praktisch unsichtbar.
Leider setzt dieser Vorfall eine kleine Reihe von Unfällen fort, die sich in den letzten Jahren auf Schweizer Seen ereignet und immer wieder für Diskussionen gesorgt haben. 2003 geriet ein Schwimmer, ebenfalls im Thunersee, unter den Raddampfer "Blüemlisalp" und konnte später nur noch tot geborgen werden. Zwischen 2008 bis 2010 gab es im  Zürichsee mindestens zwei ähnliche Unglücke. Diese endeten zwar nicht tödlich, aber mit schwersten Verletzungen! Mindestens einer dieser Unfälle geschah an einem Landungssteg, wo das Schwimmen im Umkreis von 100 Metern streng verboten ist.
Neben der Tragik dieser Vorkommnisse ist es leider auch so, dass solche Geschehnisse immer heftige Diskussionen darüber auslösen, ob es nicht strengere Vorschriften oder gar Verbote benötige, um die Schwimmer vor sich selbst zu schützen!? Hier muss ich leider alles selbstlose Gedankengut über Bord werfen und erwähnen, dass dies eine kleine Katastrophe für alle verantwortungs- und sicherheitsbewussten Schwimmer wäre, die schließlich unter diesen Repressalien leiden müssten.
Bereits heute musste ich mich öfters mit den Anfeindungen von Motorbootfahrern auseinandersetzen, die fälschlicherweise der Meinung sind, Schwimmen ohne Begleitboot im See sei verboten. Ich verstehe ihren Unmut durchaus, denn die Tatsache, irgendwo mitten im See auf einen Schwimmer in Tarnanzug zu treffen, macht ihnen zurecht Angst vor der Verantwortung und den möglichen Konsequenzen. Nichtsdestotrotz müssen wir auch im Straßenverkehr jeden Tag auf kleinste mögliche Gefahren achten und eine freie Überlandstrasse entbindet uns nicht von dieser schweren Verantwortung. Doch was der komplett schwarz gekleidete Fußgänger in der Dunkelheit, ist der Schwimmer im Neoprenanzug ohne Badekappe mitten im See. Auch wenn der Führerstand von Kursschiffen höher über dem Wasser liegt, ist es praktisch unmöglich, einen Schwimmer im Neoprenanzug zwischen den Wellen zu erkennen. Ein brauner Haarschopf kann zudem leicht mit irgendwelchem Treibgut verwechselt werden.
Wie bereits anfangs erwähnt, können wir nicht alle Gefahren eliminieren. Aber mit einfachsten Mitteln lassen sie sich auf ein normales Maß reduzieren, dass wir uns und unseren Mitmenschen schuldig sind. Dieser letzte Unfall hat mich dazu gebracht, in diesem Blog noch einmal einer größeren Leserschaft ins Gewissen zu reden.
Bitte tragt in offenen Gewässern immer eine Badekappe mit einer auf weite Distanz gut sichtbaren Farbe. Meiner Meinung nach eignet sich ein leuchtendes Gelb noch viel besser als Weiß, denn es gibt meines Wissens nach in unseren Breitengraden keine gelben Seevögel. Zudem sind auch die Schaumkronen von Wellen weiß und lassen eine entsprechende Kappe leicht untergehen. An dieser Stelle muss ich zumindest dem Schweizer Handel einen kleinen Vorwurf machen, denn als ich vor zwei Jahren eine gelbe Kappe suchte, wurde ich in keinem einzigen Sportgeschäft fündig. Stylische Farben wie Schwarz, Grau oder Dunkelblau sind weit verbreitet. Gelb oder Orange sind dagegen fast nur im Onlinehandel zu finden. Natürlich ist eine solche Kappe kein Garant für Sicherheit. Aber sie verbessert die Chancen gesehen zu werden doch um ein Vielfaches. Ich persönlich trage sie selbst innerhalb des für Schwimmer abgesperrten Bereichs immer. Zu oft habe ich Wind- oder Kitesurfer gesehen, die mit hoher Geschwindigkeit innerhalb der Bojen durchbrettern.
Natürlich bietet das höchste Maß an Sicherheit immer noch das Schwimmen mit einem Begleitboot oder ein einer Gruppe. Aber Hand aufs Herz - beim ersehnten Schwimmen nach dem Feierabend ist beides oft nicht ohne weiteres verfügbar. Eine sehr gute Lösung für vorsichtige Schwimmer sind aufblasbare Markierungsbojen. Diese werden mit einer Schnur um die Hüfte gebunden und einfach hinter sich her gezogen. Solche Bojen werden oft auch bei Seeüberquerungen zur Sicherheit der Schwimmer eingesetzt. In Kombination mit einer entsprechenden Badekappe könnt Ihr so praktisch nicht mehr übersehen werden.
Trotzdem ist es unerlässlich, seine Umgebung wachsam zu beobachten. Schraubengeräusche lassen sich unter Wasser auch beim Schwimmen sehr gut wahrnehmen. Nähert sich Euch also ein Motor- oder Segelboot, dann geht bitte keinesfalls davon aus, dass Ihr auch gesehen werdet. Hier gilt: Sofort anhalten – beobachten –  Kopf so hoch wie möglich aus dem Wasser ragen lassen – und wenn nötig Kontakt aufnehmen. Kein heftiges Winken, denn dieses könnte als Hilferuf missverstanden werden. Das Heben der Hand reicht vollkommen aus. Jeder Freizeit- oder Berufskapitän wird es Euch danken, mit einem Signal bestätigen und umgehend seinen Kurs anpassen. Ich warte in solchen Situationen immer so lange, bis das Wasserfahrzeug definitiv an mir vorüber gezogen ist und mich nicht mehr durch einen abrupten Kurswechsel rammen kann. Gegen nahende Gefahren von hinten hilft ein gelegentlicher Blick über die Schultern oder etwas Rückenkraul zur Abwechslung und Entspannung.
Wer längere Distanzen zurücklegt, wird vielleicht irgendwann einmal in die Lage geraten, dass er sich für den Rückweg nicht mehr kräftig genug fühlt. Doch die Vernunft wird dann schnell durch den Gedanken an die trockenen Kleider, Brieftasche und Mobiltelefon ausgeschaltet, die sich am Ausgangsort des Schwimmens befinden. Aus diesem Grund habe ich bei längeren Strecken immer mein „Sicherheitspäckchen“ dabei. Es besteht aus einem verknoteten Kondom, in dem sich ein Zettel mit den wichtigsten Notfallnummern und genügend Geld für ein Taxi oder ähnliches befindet. Auch wenn Ihr jetzt darüber lacht, aber das Ding wurde schließlich gemacht, um Flüssigkeiten innen und auch aussen zu halten. :-) Zudem kann es super praktisch unter dem Neoprenanzug oder in der Badehose verstaut werden, ohne Euch auch nur im Geringsten zu behindern. Wer gern am Seeufer etwas trinken möchte, dem empfehle ich zudem ein zweites Kondom zu Geld und Zettel zu legen. So könnt ihr nach dem alkoholfreien Umtrunk auf der Seeterrasse Euer Wechselgeld wieder wasserdicht für den Rückweg verpacken.

Ich hoffe, dass dieser Blog ein wenig dazu beiträgt, Unfälle in Zukunft zu vermeiden. Viele weitere Tipps für das Schwimmen in offenen Gewässern findet Ihr auch unter den untenstehenden Links.
In diesem Sinne wünsche ich Euch allzeit schnelles und sicheres Wasser!

Bist demnächst,
Euer Bruno

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