Suchte neue Horizonte: Bruno Baumgartner.

Frank Wechsel / spomedis

Bruno Baumgartner bereitet sich in Dover auf seinen Versuch vor, den Ärmelkanal zu durchschwimmen.
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Open Water | 16. Januar 2013

Brunos Blog  Bruno Baumgartner: Neue Horizonte oder „Le grand bleu“

Bruno Baumgartner | Er will nicht mehr der "Horst Tappert des Schwimmens" sein und ständig nur mit dem Ärmelkanal in Verbindung gebracht werden. Denn das, was Bruno Baumgartner sucht, ist eigentlich die Weite des Wassers. Und darüber schreibt der Schweizer in seinem neuen Blog.
Liebe swim.de Freunde,
nachdem Horst Tappert gefühlte vier Millionen Mal den Derrik mimte, sprachen ihn viele Menschen auf der Straße tatsächlich mit Herr Derrik an. Somit ist er wohl das Paradebeispiel dafür was geschehen kann, wenn man eine Rolle zu lange sein eigen nennt. So ähnlich erging es auch mir im vergangenen Jahr, als man mich fragte, wann es denn nun endlich so weit sei? Als ich dann absichtlich die Daten für den Zürichseemarathon oder die Beltquerung nannte, schüttelten sie nur den Kopf und meinten: „Nein, nein, ich meine doch diese Sache mit dem Ärmelkanal!“

Schwimmen ist Lebensinhalt

Ohne es recht zu bemerken, war ich zum „Horst Tappert des Schwimmens“ geworden. Als ich damals im Januar 2009 mit dem Schwimmen und auch mit dem Ärmelkanalprojekt begann, hätte ich mir in der Tat nicht vorstellen können, dass mein Leben dadurch eine völlig andere Bahn einschlagen könnte und das Schwimmen zu meinem Lebensinhalt würde. Doch so und nicht anders, ist es nun mal. Ich fühle mich inzwischen im Wasser wesentlich wohler als an Land und hätte gern viel mehr Zeit, um in diesem herrlichen Element zu trainieren.
Seit dem vergangenen September wurde ich viel gefragt, wann ich es denn zum dritten Mal versuchen würde. Darauf gab es eine eindeutige und klare Antwort: „Nicht in absehbarer Zeit!“ Ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass dieses Ziel zu wertvoll ist, um es einfach wegzuwerfen. Doch wie ich schon einmal schrieb, brauchen gewisse Träume einfach etwas mehr Zeit und vielleicht auch eine kleine Pause.
Doch all diese Überlegungen führten mich immer und immer wieder zu einem Gedanken: „Ich will eine neue Rolle!“ Und zwar will ich die, die ich eigentlich schon lange lebe. Eine Rolle, die ich nicht spiele, sondern mit ganzem Herzen fühle und verinnerliche. Ich möchte endlich als Langstreckenschwimmer wahrgenommen werden und nicht als „der-Kerl-der-versucht-den-Ärmelkanal-zu-schwimmen“.

Ein anderer Fokus

Den aufmerksamen Beobachtern unter euch wird nicht entgangen sein, dass wir die Grafik über meinem Blog ganz dezent von „Abenteuer Ärmelkanal“ in „Abenteuer Schwimmen“ geändert haben. Ich musste diesen Fokus einfach von mir wegnehmen. Und so bin ich schließlich als neue Zielsetzung auf den Angstgegner Bodensee gekommen, der sich im letzten Jahr als so widerspenstiger Rodeo-Bulle erwiesen hat. Plötzlich war ich mir sicher, dass er groß genug sein würde, um den Derrik ein für alle Mal zu den Akten zu legen.
Die Versuchung, nach dem Sturz auf ein kleineres Pferd zu steigen, war zugegeben sehr groß. Und wer würde es einem verdenken? Erst einmal wieder etwas Sicherheit gewinnen, sich dann langsam steigern, um irgendwann ein Ziel anzugehen, dass sich als noch viel störrischerer Gaul herausstellen könnte, war eine durchaus verlockendere Option.
Schließlich bin ich kein Amerikaner, dem das „Think-Big-Gen“ zusammen mit einer doppelläufigen Schrotflinte und einem V8 SUV in die Wiege gelegt wurde. Kleine Brötchen zu backen, entspräche doch viel eher dem Image des neutralen Schweizers? Doch dann dachte ich über den langen Weg nach, den ich seit Januar 2009 bereits gegangen war.

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