Die Murtenseeüberquerung war vor vier Jahren der erste sportliche Wettkampf von Bruno Baumgartner.

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Murtenseeüberquerung
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Open Water | 26. Juli 2012

Brunos Blog Bruno Baumgartner: Mein erstes Mal

Bruno Baumgartner | Eigentlich war swim-Blogger Bruno Baumgartner nach Murten gefahren, um an der Seeüberquerung teilzunehmen. Doch der kurze Besuch eines Fünf-Sterne-Hotels im Vorfeld führten zu einem sozialkritischen Exkurs, bevor er sich am Start positionierte und das Rennen sehr geschickt anging.
Liebe swim.de Freunde,
als wir am Sonntagmorgen gegen 8 Uhr in Murten ankamen, meinten es weder Sonne noch Wind besonders gut mit uns. Der See zeigte sich besorgniserregend aufgewühlt und weiße Schaumkronen zierten neckisch seine Wellen. Schon im vergangenen Jahr hatte mich hier ein ähnliches Bild erwartet und der Veranstalter sagte kurz darauf die Seeüberquerung ab.

Doch dieses Mal schien die Sorge unbegründet, denn die Tische für die Einschreibung waren bereits aufgestellt und freundliche Helfer warteten schon auf äußerst faire 20 Schweizer Franken Startgeld. Unser Team setzte sich aus der deutschen Triathletin Nina, den beiden Thuner Freiwasserschwimmern Sergio und Patrick sowie meiner Wenigkeit zusammen. Für die beiden Männer war es die erste Seeüberquerung ihres Lebens und dementsprechend groß waren Vorfreude und Aufregung.

Auf zum Fünf-Sterne-Hotel

Nach der Registrierung führte uns der Weg mangels Alternativen ins nahe gelegene Fünf-Sterne-Hotel, wo wir zwar von Gästen gemustert, aber im Gegensatz zu früheren Jahren bedient wurden. Es war eines jener Hotels, in denen Kaffee und Tee nicht in schnöden Tassen, sondern ausschließlich in händisch geflochtenen Porzellan-Kunstwerken und teuren Silberkännchen serviert wurden. Als Beilage zum Tee reichte man dehydrierte Trauben und zum Kaffee feinstes Mürbegebäck.

Das Silber sah aus, als wäre es von den teuersten Arbeitskräften der Welt, also reichen Wirtschaftsanwälten mit einem Stundensatz von 500 Euro und mehr, die ansonsten nur Banker verteidigen, die es zu Stande gebracht hatten mit wertlosen Wertpapieren Abermillionen aus den Taschen ihrer Kunden zu ziehen, in geschätzten 18 Jahren minutiöser Kleinarbeit aus einem massiven Stück Silber, mit lediglich einem drei cm langen Hammer, einem Mini-Meissel einem Stück Schleifpapier so groß wie mein Daumennagel, geklopft, geschliffen und poliert worden. Und so wahr dies der zweitlängste Satz ist, den ich je geschrieben habe – genau so und nicht einen Euro weniger teuer sah es aus. Die Rechnung für vier Heissgetränke in der Höhe von rund 28 Schweizer Franken bestätigte meine Vermutung.

„Findet Nemo“ auf dem Herrenklo

Dafür wartete das Herrenklo auch mit einem in den Spiegel integrierten LCD-Monitor auf, auf dem gerade „Findet Neo“ vor sich hinflimmerte. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich persönlich schaue mir nach dem Gang auf die Toilette gern mal einen 20-Sekunden-Ausschnitt aus diesem Film an. Instinktiv frage ich mich, ob man schon Gäste aus dem Klo hatte holen müssen, weil sie sich vor lauter Spannung in spielfilmlänge die Hände wuschen und schließlich von ihren Begleitern als vermisst gemeldet wurden.

Der Kellner hätte dann nur lächelnd abgewinkt und gesagt. „Ach wissen Sie, das passiert öfters, wenn „Die Hard“ läuft!“ Auch der Parkplatz des Hotels sah so aus, als ob sich hier der eine oder andere überdurchschnittlich verdienende Großbank-Manager ein kleines Wochenend-Mauscheln mit Gleichgestellten gönnen würde. Euch kann ich es ja ruhig sagen: „Ich hasse Großbanken!“

Bitte versteht mich jetzt nicht falsch. Das hat nichts mit der Vergabe von Krediten oder Hypotheken an hart arbeitende Menschen zu tun. Meine Aversion rührt von jenen neckischen Geschäftsmodellen her, die uns 2008 beinahe den finanziellen Super-Gau gebracht haben und die nur vier Jahre später, fröhlich weiterpraktiziert werden. Es kommt mir beinahe so vor, als würde man auf den noch rauchenden und strahlenden Ruinen von Fukushima ein tolles, neues Atomkraftwerk basteln. Doch seit es für unsere „Finanz-Basejumper“ Rettungsschirme gibt, scheint der Risikobereitschaft wieder Tür und Tor offen zu stehen.

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