Es ist vorbei: Bruno Baumgartner beendet mit schmerzender Schulter den Versuch, den Ärmelkanal zu durchschwimmen.

Frank Wechsel / spomedis

Abenteuer Ärmelkanal 2012
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Open Water | 11. Oktober 2012

Brunos Blog Bruno Baumgartner: Die unerträgliche Leichtigkeit des Kanalschwimmens

Bruno Baumgartner | Es war Bruno Baumgartners Traum, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Erst schien es, als würde ihm das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen und dann war es letztendlich seine Schulter. Über seine Gefühle irgendwo zwischen Dover und Calais berichtet er im zweiten Teil seines Ärmelkanal-Bloggs.
Liebe swim.de Freunde,
Konsequenzen ergeben sich aus Handlungen und Entscheidungen. Sie zu hinterfragen ist ebenso müßig wie sinnlos. „Wäre ich fünf Minuten später im Büro aufgebrochen, hätte ich das Reh im Wald nicht überfahren!“ „Wäre ich doch nur nach Griechenland und nicht nach Spanien in die Ferien gefahren, dann wäre meine teure Kamera nicht gestohlen worden!“ Solche und ähnliches Sätze sind die fiktiven und nutzlosen Wunsch-Zeitmaschinen unseres Geistes. Sie haben nicht das Geringste mit der üblichen Aktion – Reaktion zu tun die zum Beispiel dann eintritt, wenn man besoffen in ein Clublokal der Hells-Angels stürmt und laut „Alle Biker sind Schwuchteln!“ brüllt.

Eine Zeitmaschine

Hier sind die voraussichtlichen Konsequenzen schmerzhaft absehbar. Und trotzdem neigen wir dazu, sie immer wieder gern zu strapazieren und uns zu fragen, was bei einer anderen Entscheidung denn passiert wäre. Hätten wir diese Zeitmaschine tatsächlich, dann würde sie uns vielleicht zeigen, dass wir bei einem schweren Verkehrsunfall unser Leben verloren hätten, wenn wir jene fünf Minuten früher im Büro aufgebrochen wären oder dass der Flieger nach Griechenland abgestürzt ist. Eine endlose Kette von „Wenn“ und „Aber“, die unser ganzes Leben ad absurdum führen würde.
Die Zeit nach der Entscheidung, trotzdem zu schwimmen war denkbar knapp. In lediglich 1,5 Stunden mussten Utensilien wieder ausgepackt, Kohlehydrat-Getränke angemischt und vom Begleitteam das Wesentliche an Verpflegung eingekauft werden. Und natürlich blieb auch nicht mehr genügend Zeit, dem Team die „Antikotzpflaster“ zu verabreichen, die mindestens fünf Stunden zuvor hätten aufgeklebt werden sollen. Aber so ist das nun mal, wenn man seinem Herzen folgt. Meist läuft dann nicht alles nach Plan – aber es läuft.

EIn Slot bis ins „Endlose“

Fast exakt um 12 Uhr fand sich das inzwischen arg dezimierte Team im Bootshafen auf der Westseite von Dover ein. Meine Schwiegereltern hatten zu meinem großen Bedauern bereits am Freitag die Heimreise angetreten. Niemand hatte nämlich damit gerechnet, dass sich mein Slot plötzlich ins „Endlose“ dehnen würde. Ich war der letzte Schwimmer der Saison bei Stuart Gleeson und er hatte angeboten, mich einfach zu begleiten, wenn das Wetter wieder gut genug sei. Auch wenn dies erst Ende September der Fall sein würde. Auf dem Papier hatte mein Slot am Freitag, 28. September, geendet und darum hatten sie ihre Ferien auch so geplant.

Meine Frau war durch die Entzündung im äußeren Gehörgang ebenfalls außer Gefecht gesetzt und so erklärten sich die drei Begleiter der Medienzunft einmal mehr bereit, mich zu füttern und zu Supporten. Normalerweise nehmen Medienschaffende nicht aktiv an einem Geschehen teil, sondern berichten neutral von den Ereignissen. Umso höher ist ihnen diese Bereitschaft anzurechnen und ich denke nicht wenigen unter Euch erschließt sich daraus unser Verhältnis, das sicher stark vom üblichen Rahmen abweicht.

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