Heute schwimmen oder lieber morgen oder doch besser 2013 - Bruno Baumgartner wurde mit seiner Geduld auf eine harte Probe gestellt.

Frank Wechsel / spomedis

Bruno Baumgartner wenige Minuten vor dem Start.
Bilder 1/1
Open Water | 5. Oktober 2012

Brunos Blog Bruno Baumgartner: Die unerträgliche Leichtigkeit des Kanalschwimmens

Bruno Baumgartner | Schwimmen oder Nicht-Schwimmen – das war am vergangenen Samstag die Frage, der sich Bruno Baumgartner am Ärmelkanal stellen musste. Über folgenschwere Anrufe, Wetter-Apps und sein Gefühlschaos berichtet er in seinem neuesten Blog - Ärmelkanal Teil 1.
Liebe swim.de Freunde,
das Durchschwimmen eines Kanals oder eines Sees basiert auf einem fundamentalen und einfachen Prinzip: „Ankommen oder nicht Ankommen!“ Die Gründe für das „Nicht Ankommen“ sind mannigfaltig und man findet sie an jeder Straßenecke und jeder Chips-Packung als adrette Beilage. „Das Wetter war zu schlecht, das Wasser war zu kalt, die Strömung hat nicht gepasst, der Wind war zu stark, ich konnte die übel riechenden Walabgase nicht mehr länger ertragen oder ich habe mir eine Verletzung zugezogen!“ Egal, welchen man sich aussucht – das Endresultat bleibt ebenso hart wie unerträglich einfach: „Man kommt nicht an!“

„Warum gerade ich?“

Nun ist es ein Bedürfnis des Menschen, für alles im Leben Gründe zu suchen und bestenfalls auch zu finden. Das ist in besonderem Masse dann schwierig, wenn die Order für das Misslingen von höherer Stelle zu kommen scheint. Das Suchen nach Gründen mündet dann meist in oft gehörten Sätzen wie: „Warum gerade ich?“ oder „Warum gerade jetzt?“ Auch ohne religiösen Background warten wir dann auf eine Antwort, die nie kommt. Als würde Gott höchst persönlich rasch sein iPhone ergreifen und uns eine Textnachricht mit dem folgenden Inhalt schicken: „Es sah so dämlich aus, wie du versucht hast durch diese Pfütze zu schwimmen, dass ich es kurzerhand beenden musste. Einfach weil mir gerade danach war. Und jetzt leb weiter, du Nase und stell nicht immer so dämliche Fragen!“

Und ja liebe swim-Freunde – so es ihn denn wirklich gibt, dann benutzt er ein iPhone. Nicht etwa ein weißes – das wäre viel zu klischeehaft! Steve Jobs höchstpersönlich hat ihm ein schwarzes Vorabmodell des neuen iPhone 5 mitgebracht, das 128GB-Speicher und eine 15-Megapixel-Kamera hat. Sein altes Samsung benutzt er jetzt nur noch als Briefbeschwerer für den Stapel „Beschwerdebriefe von Kanalschwimmern“. Natürlich erhält er satte 50 Prozent Rabatt in iTunes und Appstore. Irgendeinen Vorteil muss es schließlich haben, Steve Jobs persönlich zu kennen. Ein höchst vergnüglicher Gedanke auch, wie Steve Gott jeden Tag beim Mittagessen in den Ohren liegt, er solle doch auch Bill endlich abberufen. So könne man hier in der Cloud endlich richtig fachsimpeln und Gott werde schnell verstehen, warum er auch seinen alten Windows-PC endlich gegen einen schicken Mac eintauschen soll.

Ein Prozess des Akzeptierens

Nun, ich denke wir sind uns alle darin einig, dass Gott eher selten SMS oder andere Textnachrichten verschickt. Und darum blieb die Frage nach dem „Warum“ in diesen Fällen auch fast immer unbeantwortet. Es ist einfach wie es ist und dem Betroffenen bleibt nur der schwere Prozess des Akzeptierens.
Als um 6.50 Uhr das Telefon klingelte und ich mich mit verschlafener Stimme meldete, ahnte ich freilich noch nichts, von solch schwermütigem Gedankengut. Wir hatten die ganze Woche in Dover in einer Art zwangsoptimistischen Wartestarre verbracht, die lediglich von einigen Besuchen beim Chinesen und Italiener temporär unterbrochen worden war. Das anfänglich angekündigte Startfenster für Donnerstag entpuppte sich rasch einmal als Fata Morgana und so hofften wir eher planlos für das kommende Wochenende vor uns hin.

Termine finden

Swim Onlineshop