Problematisch: Ein Badegast schwimmt in der Mitte der Bahn.

Bruno Baumgartner / channelswimming.ch

Problematisch: Ein Badegast schwimmt in der Mitte der Bahn.
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Open Water | 16. März 2012

Brunos Blog Bruno Baumgartner: Die Schwimmbahnen-Blindheit

Bruno Baumgartner | Der Winter geht langsam zu Ende und die Freibadsaison rückt näher. Doch Schwimmer aus aller Welt kämpfen verzweifelt gegen eine übermächtige Bedrohung, die bislang nicht ernst genug genommen wurde. Dieser Blog soll aufrütteln, aufklären und bei Schwimmern und Betroffenen für ein neues Verständnis für diese dramatische Situation sorgen.
Liebe swim.de-Freunde,
Bruno Baumgartner
Bei seinem ersten Versuch im August 2011 gelang es dem Schweizer nicht, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Im September 2012 wird der 42-Jährige einen zweiten Versuch wagen.
Ihr wisst, dass meine Blogs oft versuchen etwas Humoriges in Euren Alltag zu bringen, denn dieser ist allzu oft viel zu trübe und grau. Doch heute muss ich Euch mit einem sehr ernsten und traurigen Thema konfrontieren. Ich kenne es aus eigener Erfahrung und lese auch viel darüber von Euch auf Facebook. Ihr kennt die Problematik alle: Man schwimmt locker flockig auf einer dieser speziell markierten Bahnen, und plötzlich kommt einem mitten auf der Bahn schwimmend ein Badegast entgegen! Eine Situation, die meist in lauten Wortgefechten und nicht selten in wüsten Beschimpfungen gipfelt. Höchst abschätzig werden diese verwirrten Menschen als „Treibgut“ oder „Bojen“ bezeichnet. Aber Vorsicht - hier wird leider allzu oft Unrecht getan! Die Betroffenen leiden an der sogenannten „Partiellen Schwimmbahnen-Blindheit“ und sind in Folge dieser Störung nicht mehr dazu fähig, die für sie passende Bahn zu wählen. Hier kann und darf also nicht Wut das Mittel der Wahl sein, sondern einzig und allein Verständnis und Hilfe.

Die Suche nach Erklärungen

Mediziner und Psychologen rund um den Globus rätseln zurzeit, warum sich diese Menschen immer wieder auf falsche Bahnen verirren. Während Mediziner unter Hochdruck nach körperlichen Erkrankungen suchen, sind sich Psychologen längst einig, dass bei den Betroffenen eine Art dissoziative Störung besteht, die es zu therapieren gilt. In diesen Zwist mischen sich seit neustem sogar Biologen und Physiker ein, die ein Verschiebung der Erdmagnetpole dafür verantwortlich machen, dass sich die Badegäste auf dem Weg zu den ihnen zugedachten Bahnen verirren. Fest steht, dass es für diese Menschen selten bis nie Hilfe gibt. Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen sucht man derzeit vergeblich.  Es wächst der Verdacht, dass sich hier unbemerkt von der Gesellschaft eine soziale Randgruppe gebildet hat, deren Probleme länder- und völkerübergreifend von Schwimmern ignoriert werden.

Wir alle stehen in der Pflicht zu helfen!

So lange Gesetzgeber und Schwimmbadbetreiber diesbezüglich keine Gesetzesvorlagen und Regeln erarbeiten und Präventivmaßnahmen fehlen, bleibt einzig der Appell an Mitschwimmer, hier mutig in die Bresche zu steigen und echte Soforthilfe in Form von Aufklärung zu leisten. Menschen die unter dieser heimtückischen „Krankheit“ leiden, sind sich dessen nämlich in keiner Weise bewusst. Dies ist sicher der wichtigste Grund dafür, sie nicht auszugrenzen, sondern auf dem schweren Weg der Genesung zu unterstützen und zu begleiten. Damit Betroffene sich ihrem fehlgeleiteten Verhalten bewusst werden können, brauchen wir Informationen, Merkblätter und Richtlinien, die so leider noch nicht bereitgestellt werden. Aus diesem Grund habe ich die 25 nachfolgenden Fakten erarbeitet, die es diesen Menschen ermöglichen soll, ihre Krankheit zu erkennen. Denn nur über den ersten, schweren Schritt der Erkenntnis  sind sie in der Lage, den langen Weg der Genesung zu beschreiten.
25 Indizien dafür, dass Sie sich auf der falschen Schwimmbahn befinden
  1. Der Bademeister teilt Ihnen besorgt mit, dass das Bad in vier Stunden schließen würde, als sie ihm sagen, dass Sie heute zehn Längen schwimmen wollen.
  2. Die schwangere Frau, die Sie zu Beginn Ihres Trainings begrüßt haben, hat inzwischen entbunden und macht sich Gedanken über die Einschulung ihres Erstgeborenen.
  3. Der örtliche Schwimmclub verlegt sein Training bei Ihrem Erscheinen freiwillig ins 32 Grad warme Kinderbecken.
  4. Ein Boot mit der Aufschrift "Greenpeace" erscheint öfters und versucht hatnäckig sie vom Beckenrand zurück in die Weiten des Pools zu treiben.
  5. Die 85-jährige Aquajoggerin auf der Nebenbahn überholt sie mitleidig lächelnd drei Mal pro Länge.
  6. Auf Ihrem Haupt paaren sich lautstark Wasservögel und gehen anschließend in Ihrer perfekt sitzenden Frisur zum Nestbau über.
  7. Wenn Sie ins Wasser steigen werden am anderen Beckenende reihenweise Kinder an Land gespült.
  8. Wildfremde Schwimmer schenken Ihnen einen Jahreseintritt für das 30 km entfernte Nachbarbad.
  9. Die Schwimmer auf Ihrer Bahn tragen plötzlich allesamt Kopf- und Tiefschutz.
  10. Man fragt Sie nach Ihrer geschätzten Lebenserwartung und ist frustriert, weil jede genannte Zahl über zwei Monaten zu hoch ausfällt.
  11. Sie stellen in der veröffentlichten Bilanz fest, dass das Schwimmbad seit drei Jahren einen Besucherrückgang aufweist und sind gleichzeitig stolz darauf, dass Sie jetzt schon seit ebenso vielen Jahren mit dem Schwimmen begonnen haben.
  12. Während andere nach dem Schwimmen duschen, kratzen Sie Muschel- und Kalkrückstände von Ihrem Körper.
  13. Man schenkt Ihnen einen Jahresgutschein für die Pedicure und bietet Ihnen freundlicherweise an, ihre Zehennägel falls nötig auch gleich vor Ort zu schneiden.
  14. Sie lachen herzlich über den gelungenen Scherz des Bademeisters, der die Tafel: "Runden schwimmen empfohlen" aufstellt und schwimmen weiter in der Mitte der Bahn.
  15. In Ihrem Spind finden sie die Kopie einer amerikanischen Studie die angeblich belegen soll, dass Schwimmen krebserregend sei.
  16. Die DLRG bietet Ihnen eine Stelle als Wasserleiche im Kurs „Retten und Bergen“ an.
  17. Das zufällig von Ihrem Schwimmtraining auf YouTube veröffentlichte Video erhält 14.456.539.321 Klicks in der Rubrik "Lacher der Woche"!
  18. Sie fragen sich vor dem Schwimmen, ob sich heute endlich die letzten Schorfreste Ihrer schweren Neurodermitis ablösen?
  19. Warner Brothers bietet Ihnen überraschen die Hauptrolle in Moby Dick II an.
  20. Es stellt sich heraus, dass der junge Mann, der Sie brutal aus dem Becken zerrte, sich auf Sie warf und seine geöffneten Lippen fest auf die Ihren presste, Sie nicht vergewaltigen, sondern lediglich beatmen wollte…
  21. Wenn Sie rabiat Kinder von den Trennleinen verscheuchen, weil Sie der festen Überzeugung sind, dass diese nur für müde Schwimmer gemacht sind, die sich kurz ausruhen wollen.
  22. Das Bad einen Meeresbiologen einstellt, der das Wasser mit Ihrer angestammten Nahrung - Plankton und Kleinstkrebsen - anreichern soll.
  23. Sie ein im Wasser treibendes Blatt mehrmals überholt und dabei die Farbe von Grün zu Braun wechselt.
  24. Sie jeden Morgen einen abgeschnittenen Pferdekopf neben ihrem Bett finden und immer noch nicht verstehen warum!?
  25. Sie auf Ihre Erkrankung angesprochen zeternd und kreischend mit den Worten: „Ich habe dasselbe Recht wie sie, hier zu schwimmen!!“ antworten.

Aufklärung ist dringend gefragt

Liebe swim.de-Gemeinde – bitte helft mit, diesen Menschen endlich die Hilfe zukommen zu lassen, die sie dringen benötigen. Druckt diesen Blog aus und hängt ihn im Schwimmbad auf! Twittert ihn, "facebookt" ihn, "Google+t" ihn und mailt ihn rund um die Welt. Sprecht Betroffene, die eines oder mehrere der oben genannten Symptome zeigen, gezielt an und gebt ihnen das hier zu lesen. Bitte verlängert diese Liste auch beliebig mit Hilfe der Kommentarfunktion, denn sie ist längst nicht vollständig. Ich bin überzeugt, dass hier und heute ein wichtiger Schritt getan wurde. Doch ausrotten können wir diese Krankheit nur mit vereinten Kräften! Lasst es Euch gut gehen – bis demnächst…

Euer Bruno

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