Der Amateurschwimmer Bruno Baumgartner wird das Abenteuer Ärmelkanal wagen.

Frank Wechsel / spomedis

Bilder 1/1
Open Water | 19. April 2011

Brunos Blog Bruno Baumgartner: Das Date mit dem Ärmelkanal

Bruno Baumgartner | Achtzig Prozent aller Versuche, den Ärmelkanal zu durchschwimmen, scheitern. Der Amateurschwimmer Bruno Baumgartner wird im September einen Versuch wagen. In seinem ersten Beitrag erklärt der Schweizer, wie diese Idee entstanden ist.
Liebe swim.de-Freunde,
es freut mich ausserordentlich, dass ich Euch heute mit meinem ersten Blogbeitrag den Schwimmalltag hoffentlich etwas versüssen kann. Ihr werdet Euch völlig zu Recht fragen, wer denn dieser Bruno Baumgartner genau ist? Mit schamzerbissener Lippe muss ich zugeben, dass ich erst 2008 im Alter von 40 Jahren auf dem sportlichen Parkett erschienen bin. Die Recherche nach Europa- oder Weltmeistertiteln erübrigt sich also ebenso wie die Suche nach Olympischem Gold. In Tat und Wahrheit bin ich wohl jemand, den man sportlich gesehen getrost als „Normalo“ bezeichnen könnte.
Ich wog damals stattliche 95 Kilogramm und hörte öfters den Satz: „Aber bei Dir verteilt es sich wenigstens gut!“ – der mich zugegeben nicht immer vollumfänglich zufrieden stellte. Meine sportlichen Aktivitäten bezogen sich damals ziemlich exakt auf das morgendliche Aufstehen, den Gang zur Kaffeemaschine und das gelegentliche Durchzappen von Sportprogrammen, die mir aber ebenfalls eher mässiges Interesse abverlangten. Das mag jetzt vielleicht etwas deprimierend klingen, aber eigentlich funktioniert ein menschliches Leben doch exakt so. Ja zugegeben, wir werden nach dem Gang zur Kaffeemaschine und zwischen dem allabendlichen Hinpflanzen vor den TV-Kasten noch durch diverse zwischenmenschliche Interaktionen und der eher nervigen Pflicht des Gelderwerbs unterhalten.
Doch als sich mein 40. Geburtstag unaufhaltsam näherte und ich mir täglich mit mehr Nachdruck einredete, dass diese rundliche Wölbung vorne am Körper lediglich ein Zeichen meiner tiefen Zufriedenheit sei, reichte dieses Schema plötzlich nicht mehr aus. Wohl oder übel musste ich mir eingestehen, dass ich mitten in einer Midlife-Crisis steckte. Komischerweise kamen weder Gedanken an ein schnelles Cabriolet, noch an eine 20 Jahre jüngere Freundin auf. Zweiteres scheiterte wohl schon am drohend erhobenen Zeigefinger meiner lieben Frau.
Um die Weihnachtszeit entschlossen wir uns schliesslich, zwecks körperlicher Ertüchtigung zu einem Besuch im nahe gelegenen Hallenbad. Es handelte sich dabei wohl in erster Linie um die bekannte: „Oh mein Gott, wie werde ich alle diese Kalorien wieder los Hysterie!“ Doch dann geschah etwas Spezielles. Ich tauchte in dieses seltsam vertraute Element ein und erlebte ein Gefühl, das ich viele Jahre lang nicht mehr empfunden hatte. Diese Leichtigkeit und das Schweben – verbunden mit einem tiefen Gefühl, des „nach Hause Kommens“. Als ich vor wenigen Tagen im kalten See trainierte fiel mir ein Satz ein, der das unglaubliche Gefühl des Schwimmens für mich am besten beschreibt: „Wasser ist der Wind unter den Schwingen jener, die nicht fliegen können!“
Es war wie eine Initialzündung. Als hätte mir jemand eine Rakete in den Hintern gesteckt und mit einem freundlichen Klaps auf den Rücken angezündet. Von da an musste ich jeden zweiten Tag ins Wasser. Ich war dem Element verfallen – wurde süchtig – ein „Wasserjunkie“ erster Güte. Als ich irgendwann gedankenversunken mit dem Auto unterwegs war, kam mir plötzlich eine Idee. Als kleiner Junge hatte ich einmal eine Reportage über das Ärmelkanalschwimmen gesehen. Ich fuhr nach Hause und begann alles zu lesen, was ich im Internet darüber finden konnte.
Mit jeder Minute, jeder Stunde und jedem Tag wuchs die Faszination für dieses Abenteuer in mir weiter. Es war ein langer Prozess bis ich mich schliesslich traute, mich vor meine Mitmenschen zu stellen und zu sagen: „Ich werde versuchen, den Ärmelkanal zu durchschwimmen!“ Ich war mir vollkommen darüber im Klaren, dass mir diese Offenbarung Verständnislosigkeit, Verwunderung, Gelächter und Unglaube einbringen könnte. Vereinzelt würde man mir vielleicht sogar als modisches Accessoire ein enges, weisses auf dem Rücken geschnürtes Jäckchen empfehlen. Doch das war mir jetzt egal. Der „Point of no return“ war innerlich längst überschritten.
Seit diesem Zeitpunkt liegen fast 2,5 Jahre und ca. 3.500 Kilometer hinter mir, in denen sich mein Leben praktisch nur ums Schwimmen gedreht hat. Es gab in dieser Zeit viele Höhen und auch Tiefen. Fortschritte und Rückschläge gaben sich oft die Klinke in die Hand. Doch eines war immer klar – ein Aufgeben gibt es nicht! Und jetzt? Nun, vor mir liegt der letzte Sommer für die Vorbereitung. Viele interessante Open Water Events warten auf mich, und am Ende sollte die 34 Kilometer breite Wasserstrasse zwischen England und Frankreich den krönenden Abschluss bilden.
Mein Date mit dem Kanal ist vom 18.09.11 – 24.09.11. Wenn Euch diese Geschichte also interessiert, dann werde ich sie in den nächsten 5 Monaten gerne in diesem Blog mit Euch teilen.
Bruno Baumgartner

Termine finden

Swim Onlineshop