Blaualgen-Alarm in vielen Badeseen

Sie sind die Kehrseite des Spätsommers: Blaualgen. Vielerorts werden in Deutschland jetzt Badeseen gesperrt, weil sich auf der Wasseroberfläche dicke grüne Schlieren oder gar geschlossene „Teppiche“ bilden. Doch warum gibt es überhaupt vermehrt Blaualgen und warum sollte man sich an ein Badeverbot halten?

| 7. September 2016 | AKTUELL

Badesee | Verlockend, aber auch gefährlich: In vielen deutschen Badeseen wachsen vermehrt Blaualgen.

Verlockend, aber auch gefährlich: In vielen deutschen Badeseen wachsen vermehrt Blaualgen.

Foto >Sonja Schleutker-Franke / spomedis

Es gibt Badeseen, die fast jeden Sommer wegen Blaualgen gesperrt werden – andere Seen dagegen scheinen dieses „Problem“ nicht zu haben. „Grundsätzlich kommt es erst einmal auf die Gesamtmenge an Phosphatphosphor im Wasser an – sie ist die Voraussetzung für Algenwachstum“, sagt Dr. Ingrid Chorus, Abteilungsleitung Trink- und Badebeckenwasserhygiene im Umweltbundesamt in Berlin.

Trübes Wasser = Algenwachstum

„Ist viel Phosphor vorhanden, können große Mengen planktischer Algen entstehen, und dadurch wird das Wasser trübe. Da viele Blaualgenarten sozusagen Schattenpflanzen sind, können diese aus dem trüben Wasser einen Konkurrenzvorteil ziehen und sich im Laufe des Sommers allmählich gegenüber anderen Algenarten durchsetzen“, sagt Chorus. Herrscht zudem warmes Wetter, ohne viel Wind, begünstige auch dies die Blaualgen. Grundsätzlich gibt es in jedem See immer einige wenige Blaualgen. Ob ein See am Ende des Sommers "umkippt" und wegen Blaualgen gesperrt werden muss, hängt von den äußeren Bedingungen ab. So können Düngungen aus der Landwirtschaft und Fäkalien im Abwasser, die in einen See geleitet werden, zu einer erhöhten Konzentration an Gesamt-Phosphor führen.

Badeseen in Deutschland werden regelmäßig untersucht. Insbesondere bei Seen, die einen hohen Anteil an Phosphatphosphor haben, wird in den Sommermonaten die Sichttiefe untersucht, um so Rückschlüsse, auf ein mögliches Algenwachstum zu ziehen. „Dafür wird eine weiße, 20 cm große Scheibe in den See gelassen und man beobachtet, ab welcher Tiefe man die Scheibe nicht mehr erkennen kann“, erklärt Chorus. Beobachten die Experten hier eine starke Wassertrübung, entnehmen sie Wasserproben, um unter dem Mikroskop die Blaualgendichte festzustellen.

Nicht nur Hautausschlag

Sind zu viele Blaualgen im Badesee, wird vorübergehend ein Badeverbot ausgesprochen, an das sich jeder halten sollte. Denn entgegen der weitreichenden Meinung verursachen Blauaugen keineswegs nur bei manchen Menschen einen unangenehmen Hautausschlag. "Blaualgen enthalten Gifte und teilweise auch Nervengifte. Schluckt beispielsweise ein ungeübter Schwimmer oder Windsurfer des Öfteren viel Wasser mit 'Algenblüte', besteht das Risiko einer Leberschädigung ", sagt Chorus.

Im Extremfall kann auch Atemlähmung nicht ausgeschlossen werden, zumal diese schon zum Tod von Wild- und Haustieren führte, die Blaualgen mit hohem Gehalt an Nervengiften aufgenommen haben. Für Kleinkinder, die im Flachwasserbereich spielen und toben, ist das Risiko ggf. am größten, wenn dort die „Blüten“ am dicksten sind. 

Daher sollte man – auch an Ufern ohne ausgewiesene Badestelle und regelmäßige Überwachung – Wassersportarten mit Risiko des Wasserschluckens dann vermeiden, wenn man grünliche Schichten auf dem Wasser sieht oder das Wasser eine starke grünliche Trübung aufweist.

Drei Regeln vom Umweltbundesamt

1. Wenn das Wasser grünlich-trübe ist oder wenn darauf eine grüne Schicht schwimmt ("Wasserblüte”): nichts schlucken!

2. Bei manchen Aktivitäten im See ist Wasserschlucken unvermeidlich. Vermeiden Sie es,

- Als Anfänger erste Übungen auf dem Surfbrett zu absolvieren, von dem man zunächst oft herunterfällt.

- In einem kleinen Boot im Sturm zu segeln.

3. Selbst prüfen: Laufen Sie langsam ins Wasser, ohne Sediment aufzuwirbeln. Können Sie Ihre Füße noch sehen? Dann sollte alles in Ordnung sein.