Alexander Studzinski (SC Wiesbaden) belegte 2010 den vierten Platz in der Gesamtwertung des FINA Open Water Grand Prix.

privat

Alexander Studzinski schwimmt im Grand Prix bis zu 88 Kilometer
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Open Water | 10. Januar 2012

Studzis Blog

Alexander Studzinski: Grand-Prix-Auftakt in Argentinien

Alexander Studzinski | Am 22. Januar wird es ernst für Alexander Studzinski: Dann geht es im argentinischen Rosario um die ersten Grand-Prix-Punkte des Jahres. Bis zu 88 Kilometer lange Rennen durch Flüsse und Seen auf der ganzen Welt müssen die Schwimmer bewältigen. Warum der Wiesbadener das trotz Vorfreude zum Teil verantwortungslos findet, berichtet er in seinem neusten Blogbeitrag.
Hallo liebe swim-Leser,
Alexander Studzinski
Der 28-jährige ist der einzige deutsche Schwimmer im FINA Open Water Grand Prix mit Ambitionen in der Gesamtwertung – 2010 belegte er Platz vier. 2011 musste der Wiesbadener nach nur einem Grand-Prix-Rennen seine weiteren Teilnahmen verletzungsbedingt absagen, siegte aber später in der Saison beim "Faros Marathon" (16 km) in Kroatien und bei der "Maui Channel Relay" (ebenfalls rund 16 km) in den USA.
erst einmal von mir noch ein frohes neues Jahr. Mein Jahresabschluss, beziehungsweise der Anfang des neuen Jahres, ist geprägt von reichlich Training, denn bald geht es mal wieder nach Argentinien zu den langen Grand-Prix-Wettkämpfen.

Entspannung für den Kopf: 75 Kilometer pro Woche

Das Training läuft momentan ganz gut. Nachdem ich zwei Wochen lang einen Durchhänger hatte, läuft es seit Ende vorletzter Woche sogar erstaunlich gut. Letzte Woche bin ich dann auch auf 90 Kilometer gekommen. Jetzt bin ich gespannt, wie diese Woche verläuft, aber ich glaube, ich bin auf einem soliden Weg. Es sind circa 75 Kilometer geplant, was auch locker drin sein sollte. Das sind ja unter dem Strich auch nur knapp sieben Kilometer pro Trainingseinheit – und somit auch für den Kopf wieder etwas Entspannung.

Grand-Prix-Auftakt in Argentinien

In der nächsten Woche geht es dann nach Argentinien, genauer gesagt erst einmal zum Grand-Prix-Rennen nach Rosario. Der Trip dahin gleicht in diesem Jahr einer kleinen Weltreise, da ich eine ziemlich bescheidene Flugverbindung habe. Leider konnte ich dieses Mal keinen Direktflug buchen, da dieser sehr teuer war, und somit fliege ich von Frankfurt nach London, dann nach New York und letztendlich nach Buenos Aires. Danach kommt auch noch eine schöne Stunde Busfahrt durch die Stadt zum Busbahnhof "Retiro" – und von da aus noch einmal knapp fünf Stunden mit dem Bus nach Rosario. Danach falle ich bestimmt halbtot ins Bett.
Zum Glück ist der Wettkampf erst am Sonntag, den 22. Januar 2012. Bis dahin sollte ich mich auch akklimatisiert haben.
Der FINA Grand Prix besteht in diesem Jahr aus acht Stationen:
 
Terminde des FINA Open Water Grand Prix 2012
22.01.Rosario (ARG)15 km
29.01.Santa Fe – Coronda (ARG)57 km
05.02.Hernandarias – Parana (ARG)88 km - GESTRICHEN
26.04.Cancun (MEX)15 km
17.06.Capri – Napoli (ITA)36 km
28.07.Lac St-Jean (CAN)32 km
04.08.Lac Memphrémagog (CAN)34 km
05.08.Sabac (SRB)19 km
11.08.Ohrid (MKD)30 km


Ich werde versuchen, bei allen Rennen teilnehmen zu können. Wobei ich maximal an sieben Stationen mitmachen kann, da sich am ersten Augustwochenende zwei Wettkämpfe quasi überschneiden – und es unmöglich ist von Samstag Abend rechtzeitig von Kanada aus nach Serbien zum Start zu kommen. Das wäre auch eine Qual.

"Mehr Geld, mehr Punkte"

Man kann bei jedem Rennen Punkte sammeln, um sich für die Gesamtwertung zu qualifizieren. Die Punkteverteilung ist, anders als bei dem FINA Zehn Kilometer Weltcup, etwas komplizierter und richtet sich nach dem Preisgeld, das bei jeder einzelnen Station gewonnen werden kann. Getreu dem Motto: "Mehr Geld, mehr Punkte."
Francis Crippen (1984-2010)
Der US-Amerikaner Francis Crippen war zweimal amerikanischer Meister über 800 Meter, bevor er ins Freiwasser wechselte. 2009 gewann er bei der WM in Rom die Bronzemedaille über 10 km hinter Thomas Lurz und Andrew Gemell (USA). Beim Weltcupfinale 2010 in den Vereinigten Arabischen Emiraten erreichte er nicht das Ziel. Zwei Stunden nach dem Rennen wurde er tot aus dem Meer geborgen. Crippen war im über 30 Grad warmen Wasser an Herz-Kreislauf-Versagen gestorben.
Jedoch gibt es einen großen Kritikpunkt meinerseits gegenüber der FINA. Nach dem tragischen Unfall im Oktober 2010 in Dubai, bei dem der amerikanische Schwimmer Francis Crippen zu Tode kam, wurden die Regeln im FINA Zehn Kilometer Weltcup unter anderem derart geändert, dass man beim letzten Saisonrennen nur noch starten muss, um in die Gesamtwertung  – und damit auch an das Geld – zu kommen. Früher musste man das letzte Rennen innerhalb des Zeitlimits beenden. Nur leider gibt diese Regelung nicht für den FINA Grand Prix.

"Es muss erst was passieren, damit Regeln geändert werden"

Daran sieht man, dass ich am Ende der Saison quasi gezwungen werde, einen 30-Kilometer-Wettkampf zu beenden, egal wie es mir geht. Klar bleibt es letztendlich meine Entscheidung, ob ich ins Ziel komme oder nicht, aber Geld kann ein ziemlicher (Über-) Motivator sein.
Der Wettkampf in Mazedonien ist zum Glück nicht einer der Schlimmsten und mit circa 5:30 Stunden auch nicht der längste, jedoch finde ich es ungerecht und nicht zu verantworten, dass wir bei so einem Rennen ankommen MÜSSEN! Aber nun ja, es muss halt immer erst etwas passieren, damit Regeln geändert werden.
Und dazu kommt noch, dass der Grand Prix einen geringeren Stellenwert hat als die olympischen zehn Kilometer. Das entbindet die Verbände aber nicht von ihrer Fürsorgepflicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass von dieser Regelung im DSV oder bei der FINA nicht viele wissen. Und da die Teilnehmerfelder auch meistens auf 25 bis 30 Schwimmer begrenzt sind (auf Grund der Tatsache, dass es verpflichtend für jeden Schwimmer ein Begleitboot geben muss), es auch nicht viele interessiert. Zum Glück sind die Begleitboote Pflicht. So kann eigentlich nicht viel passieren. Dennoch ist diese Regelung unsinnig!!!
Nichtsdestotrotz freue ich mich riesig, mal wieder längere Wettkämpfe schwimmen zu dürfen und bin gespannt, wie alles so läuft.
Drückt mir die Daumen, dass ich nicht wieder nach dem ersten Wettkampf da unten in Argentinien krank werde.

Euer

Studzi

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