374 Tote in deutschen Gewässern

Es ist jedes Jahr eine traurige Statistik, die die Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) veröffentlicht: 2015 sind in deutschen Gewässern von Januar bis Ende August mindestens 374 Menschen ertrunken. Das sind 55 Tote mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

| 15. September 2015 | AKTUELL

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DLRG Wasserrettung

Foto >Sonja Schleutker-Franke / spomedis

Die meisten Opfer ertranken in den heißen Ferienmonaten: Von Juni bis August kamen 249 Menschen im Wasser ums Leben. „Das sind leider die Schattenseiten eines schönen Sommers. Das heiße Wetter mit teilweise tropischen Temperaturen hat den Anstieg wesentlich begünstigt. Viele Menschen sind zur Abkühlung an die Küsten und Binnengewässer geströmt. Nach unseren Erfahrungen ertrinken in einem schönen Sommer mehr Menschen als in einem durchschnittlichen“, sagte DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje. Neben der DLRG sind auch andere Organisationen wie die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes oder der Arbeiter-Samariter-Bund an Sicherheits- und Rettungsmaßnahmen beteiligt.

Im Vergleich mit dem Sommer 2014 (Juni bis August) verloren in diesem Jahr 53 Menschen mehr ihr Leben. Der DLRG esonders die hohe Zahl der 27 ertrunkenen Flüchtlinge bereite der DLRG erhebliche Sorgen. „In diesem Sommer haben wir kurzfristig die Baderegeln in über 25 Sprachen übersetzt, um den Menschen aus anderen Ländern die Gefahren im Wasser zu verdeutlichen“, sagt Hatje. Einige DLRG-Ortsgruppen boten im Sommer Schwimmkurse für Flüchtlinge an.

Todesfalle Binnengewässer

Die meisten Menschen (97,06 Prozent) ertranken in Binnengewässern: 133 Menschen kamen in Flüssen und Bächen um, 175 in Seen und 15 Menschen starben in Kanälen. Im Meer starben elf Personen, acht davon in der Ostsee, drei in der Nordsee. Zehn Menschen ertranken in einem Schwimmbad vier in einem privaten Gartenteich oder Swimmingpool, 26 weitere verloren in einem Hafenbecken, Graben oder an anderen Orten ihr Leben.

DLRG-Chef Hatje: „Die meisten Opfer ertranken in unbewachten Gewässern. Selbstüberschätzung, gesundheitliche Vorschädigungen, Übermut, Leichtsinn und Unkenntnis über mögliche Gefahren sind oft Ursache für tödliche Unfälle im Wasser.“ Das Risiko in unbewachten Gewässern zu ertrinken sei um ein Vielfaches größer als in Bädern und Küsten, die von Rettungsschwimmern bewacht werden. „Unsere ehrenamtlichen Retter hatten überall viel Arbeit, die Strände und Bäder waren oft voll besetzt. Ohne ihren großen Einsatz und ihre schnelle Hilfe wäre die Zahl der Ertrunkenen noch deutlich höher“, gibt Hatje zu bedenken.

22 ertunkene Kinder

In den ersten acht Monaten des Jahres sind 22 Jungen und Mädchen im Alter bis 15 Jahren ertrunken. Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum ist die Zahl der Kinder etwa gleich hoch geblieben. Neun Opfer gab es bei Kindern im Vorschulalter, acht waren im Grundschulalter zwischen sechs und zehn Jahre alt und fünf zwischen elf und 15. Hatje: „Dies zeigt deutlich, dass der Schwimmunterricht in den Schulen konsequent durchgeführt werden muss. Wir setzen uns deshalb mit Nachdruck für den Erhalt der Bäder ein und fordern die Kommunen auf, gerade den Grundschulen einen Zugang zu Bädern ermöglichen.“