10 km: Angela Maurer schwimmt überraschend zu Bronze

Die Durchsage kam nach 1:39 Stunden: „Angela Alexandra Maurer, moving in to third position!“ Angela Mauerer hatte sich herangepirscht an die Spitze – und nicht nur das: Sie war rund 1,5 Kilometer vor Schluss auf Medaillenkurs. Von da an konnte die mit 37 Jahren älteste Schwimmerin im Feld ihre langjährige Erfahrung ausspielen und ließ sich so den auch für sie „absolut überraschenden“ dritten Platz nicht mehr nehmen. Svenja Zihsler beendete ihr erstes WM-Rennen als 15.

| 23. Juli 2013 | AKTUELL

Angela Maurer in London | Angela Maurer beim Olympiarennen in London 2012

Angela Maurer beim Olympiarennen in London 2012

Foto >Frank Wechsel / spomedis

„Damit hat glaube ich keiner gerechnet, ich am allerwenigsten“, sagte die 25-Kilometer-Expertin, die bereits 2003 bei der WM in Barcelona Silber und Bronze holte, über ihre zehnte WM-Medaille. Auch Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz kam einen Tag nach dem Silberrennen seines Bruders Thomas gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. „Wie Angie das heute gemacht hat, das war wirklich der Hammer, einfach Wahnsinn, wie sie die richtigen Füße erwischt hat, ihre Erfahrung ausgespielt halt, nach hinten gekämpft hat ohne Ende.“

„Die letzten 500 Meter habe ich nur gedacht: Hoffentlich kommt das Ziel, hoffentlich kommt das Ziel, hoffentlich ist es gleich da.“

Angela Maurer, Bronze über 10 km

Umso erstaunlicher, dass die erfahrene Mainzerin vor dem Rennen nervöser war, als bei ihrem Start bei den Spielen in London. „Ich wusste, heute wird es hart, es sind viele Teilnehmer, ein enger Kurs“, sagte die frisch gebackene WM-Dritte. „Der Thomas hat gesagt: Konzentriere Dich, da gibt es ein Geknüppel. Es ist wirklich kein einfacher Kurs. Man hat mehr mit den vielen Bojen zu tun, als dass man wirklich schwimmt. Und es ist auch nicht ungefährlich, denn die Schiedsrichter wissen nicht, was an der Boje passiert“, moniert die mit allen Freiwassern gewaschene Athletin. 

Maurer schwamm ein taktisch cleveres Rennen, hielt sich von Beginn an in der Führungssgruppe, die sich schon früh absetzte. „Die ersten fünf Kilometer gingen, die waren nur insofern anstrengend, weil man da immer seine Position finden mussten und man an den Bojen doch ganz schön gedrängt und runtergezogen wurde.“

Maurer kämpft sich heran

Als die Führenden dann bei Kilometer sieben das Tempo anzogen, begann Maurer, die  Führungsgruppe von hinten aufzurollen. Gold und Silber machten die Brasilianerinnen Poliana Okimoto Cintra und Ana Marcela Cunha unter sich aus, doch dahinter begann der Kampf um Bronze. „Die letzten 500 Meter wusste ich, es kann für eine Medaille reichen“, rekapitulierte Maurer. Zwar schickte sich die Französin Ophelie Aspord noch an, Maurer die Medaille streitig zu machen („klar, dass ich da auch mal die Füße rausgestreckt habe“ ) doch auf den letzten 30 Metern stand für Maurer fest: „Ich schaff's.“

Das war auch der Punkt, an dem Lurz begann, doch mit der dritten Medaille am dritten Wettkampftag zu liebäugeln. „Die letzten 50 Meter setzt sich Angie eigentlich immer durch“, lobte Lurz. „Sie ist so erfahren, dass sie auch ein bisschen Ellenbogen einsetzt, sollte es wirklich eng werden, das gehört auch im Freiwasserschwimmen absolut dazu.“ Er wünscht sich, dass Maurer, die am Samstag 38 Jahre alt wird, auf jeden Fall noch bis zu den Spielen in Rio 2016 weitermacht. 

Paradestrecke kommt noch

Zunächst geht die Vize-Weltmeisterin von 2011 am Freitag über ihre eigentliche Paradedisziplin erneut an der Start. „Die kann ich jetzt eigentlich ganz entspannt angehen. Mein Ziel war es, eine Medaille zu gewinnen. Das habe ich jetzt geschafft. Dass es auf den Zehn war, ist umso schöner und mal gucken, vielleicht wird’s auf den 25 auch noch 'ne Medaille.“ 

Davor kämpfen Christian Reichert, Thomas Lurz und Isabelle Härle am Donnerstag im Teamwettbewerb um die vierte Medaille für die deutschen Freiwasserschwimmer.

WM 2013, 10 Kilometer | Frauen

PlatzNameZeit

1

Poliana Okimoto Cintra (BRA)

1:58,19,2 Std.

2

Ana Cunha (BRA))

1:58,19,5 Std.

3

Angela Maurer (Mainz)

1:58:20,2 Std.

15

Svenja Zihsler (Würzburg)

1:58:25,8 Std.

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