Paddeln und wischen für mehr Wassergefühl

Die einen haben es, die anderen wollen es. Zum Glück lässt sich Wassergefühl mit den richtigen Übungen erlernen und immer weiter verbessern.

| 17. Mai 2017 | ARENA ONLINE SWIM ACADEMY

Das Wassergefühl kann den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Schwimmer machen.

Das Wassergefühl kann den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Schwimmer machen.

Foto >arena

Woran liegt es, dass Profi­schwimmer mit jedem Armzug schneller und weiter voran­kommen als normale Schwimmer? Warum sieht es bei Topathleten so aus, als könnten sie sich vom Wasser wie von einer unsichtbaren Wand abstoßen? Mit ziemlicher Sicherheit hat der Profi mehr Kraft in den Armen, und wahrscheinlich erzeugt er dank seiner Schwimmtechnik einen deutlich effektiveren Hebel. Doch selbst wenn diese Parameter identisch wären, der Topschwimmer wäre immer noch schneller. Der Grund dafür liegt im Wassergefühl und der Fähigkeit, das flüssige Medium besser zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Jenny Mensing demonstriert ihr Wassergefühl.

Die Sensibilität für das Wasser ist die große Unbekannte beim Schwimmen, denn sie lässt sich nicht sehen, wiegen, messen oder sonst wie in Zahlen ausdrücken. Dass es sie dennoch gibt, bestreitet niemand. Es ist wie beim Skifahrer, der den Schnee besser spürt als andere, oder dem Fußballer mit dem exzellenten Ballgefühl: Die einen haben es einfach, und die anderen wollen es.

Wischen, paddeln, rudern

Die gute Nachricht ist, Wassergefühl kann man lernen. Die schlechte: Wer das nicht bereits als Kind getan hat, hat es schwer. In jungen Jahren saugen die Sinne neue Wahrnehmungen und Eindrücke förmlich auf. Auf der ­Ebene der Sensomotorik entwickeln schwimmende Kinder deshalb fast wie von selbst, wofür Erwachsene viele Stunden investieren müssen. Dennoch sind Verbesserungen in jedem Alter möglich. So gesehen ist die Entwicklung des Wassergefühls ein nie endender Prozess.

Um im Training die Wassersensibilität zu trainieren, hilft es zunächst, viel zu schwimmen. Genauso wichtig ist es aber, mit den richtigen Technikübungen gezielt am Wassergefühl zu arbeiten. Dabei geht es darum, Wider­­stand in all seinen Facetten spürbar zu machen. Sowohl negativ in Form bremsenden Frontalwiderstands als auch positiv wie beim Abdruck der Hände und Unterarme während der Unterwasserphase. Spüren und verarbeiten Sie die Eindrücke, die entstehen, wenn Sie sich beim Scullen nur mit Paddelbewegungen vorwärts bewegen, Sie plötzlich Kraul mit Fäusten oder weit gespreizten Fingern schwimmen oder Sie die Arme unter statt über Wasser nach vorn bringen. Aus all diesen Reizen, Wahrnehmungen und Eindrücken entwickelt sich mit der Zeit Ihr Wassergefühl.

Übungen fürs Wassergefühl

4 x 50 m: 25 m Scullen + 25 m Kraul

4 x 50 m: 25 m in Rückenlage, Füße voran, Hände paddeln hinterm Kopf + 25 m beliebig

4 x 75 m: 50 m Kraul mit Fäusten + 25 m Kraul

100 m: Lagen rückwärts (jeweils 25 m Delfin, Rücken, Brust, Kraul mit den Füßen voran)

4 x 25 m Hundepaddeln: Führen Sie abwechselnd mit jedem Arm die Phase des Wasserfassens durch.

Weitere Übungen finden Sie hier.

Das Wassergefühl lässt sich immer noch verbessern.

Das Wassergefühl lässt sich immer noch verbessern.

Foto >Arena

Widerstand erfahren

Leider sind Übungen für das Wassergefühl nicht besonders beliebt. Meistens bewegt man sich dabei etwas mühsam und sehr langsam vorwärts, und wer hat dazu schon große Lust? Trotzdem sollten Sie sich hin und wieder dazu durchringen.

Zum Beispiel zum bereits angesprochenen Scullen, das auch die Namen Scheibenwischer, Paddeln oder Wriggen trägt. Legen Sie sich für diese Übung horizontal ins Wasser, der Blick geht zum Beckengrund. Zum Atmen heben Sie den Kopf an oder benutzen einen Schwimmerschnorchel. Klemmen Sie eine Pull-Buoy zwischen die Beine oder sorgen Sie mit einem leichten Kraulbeinschlag dafür, dass Sie stabil im Wasser liegen.

Stellen Sie Ihre Unterarme und Handflächen senkrecht ins Wasser. Ihre Ellbogen bleiben hoch, Ihre Oberarme strecken Sie etwas nach vorn und halten sie möglichst still. Nun beginnen Sie, mit Ihren Unterarmen und Handflächen Achten ins Wasser zu „malen“. Drehen Sie Ihre Hände dabei so, dass Sie das Wasser ­jedes Mal mit den Handflächen greifen können. Konzentrieren Sie sich beim Scullen darauf, den Druck auch an den Unterarmen zu spüren, und ­denken Sie daran: Es geht um Ihr Wassergefühl – arbeiten Sie deshalb mit Gefühl und nicht mit Tempo oder Kraft.