Zweier- oder Dreier-Atmung?

Die Frage nach der optimalen Atemfrequenz stellt sich jeder Kraulschwimmer irgendwann. Wichtiger ob Zweier- oder Dreierzug ist allerdings, beides zu beherrschen.

| 17. März 2017 | TRAINING

Atmung | Die Atemfrequenz ist für Kraulschwimmer eine wichtige Frage.

Die Atemfrequenz ist für Kraulschwimmer eine wichtige Frage.

Foto >Daniel Kopatsch / spomedis

Jeder Atemzug kostet Zeit, das weiß jeder Kraulsprinter. Doch wer mehr als 50 oder 100 Meter schwimmt, ist auf regelmäßiges Luftholen angewiesen. Die auf Hochtouren arbeitende Muskulatur lechzt nach Sauerstoff. Zweier- oder Dreierzug ist deshalb die Frage, die sich jeder Schwimmer einmal stellen muss.

Zweierzug bedeutet, dass auf jeden zweiten Armzug einmal geatmet wird. Beim Dreierzug erfolgt die Atmung auf jeden dritten Armzug und damit wechselseitig nach links und rechts. Weniger atmen, also Vierer-, Fünfer- oder Sechserzug, macht auf längeren Strecken keinen Sinn, weil die Sauerstoffversorgung dann zu gering ist. Häufiger atmen wäre nur mit Einerzug möglich. Dieser ist zwar technisch machbar. Das viele Atmen führt in der Praxis aber zu mehr Problemen als Vorteilen.

Königstechnik Dreierzug?

Unter Schwimmern genießt der Dreierzug den besten Ruf. Meist ist es auch die Technik, die von Schwimmtrainern empfohlen wird. Die Vorteile:

  • Mit Dreierzug schwimmen Sie technisch sauberer, weil Sie symmetrisch zu beiden Seiten rotieren und die beteiligte Muskulatur in den Armen und im Rumpf gleichmäßig belasten.
  • Mit Dreierzug atmen Sie seltener und schwimmen schneller.
  • Mit Dreierzug haben Sie stets im Blick, was links und rechts von Ihnen passiert.
  • Mit Dreierzug können Sie im Freiwasser flexibel auf Sonnenstrahlen und Wellengang reagieren und die Atmung entsprechend anpassen.

Der Zweierzug kann da kaum mithalten. Die Vorteile:

  • Mit Zweierzug versorgen Sie die Lungen mit mehr Sauerstoff.
  • Mit Zweierzug können Sie immer zu Ihrer Schokoladenseite atmen.

Weltklasse schwimmt Zweierzug

Wenn beim Dreierzug die Vorteile überwiegen, warum sieht man dann bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, dass die Topathleten fast ausnahmslos Zweierzug schwimmen? Paul Biedermann, Michael Phelps, Gregorio Paltrinieri, Katie Ledecky: Sie alle atmen bei jedem zweiten Armzug. Entscheidend ist in diesem Fall der Energiehaushalt. Im Grenzbereich der persönlichen Leistungsfähigkeit ist die Sauerstoffversorgung einfach wichtiger als die Möglichkeit, seine Rivalen besser im Blick zu haben oder die Muskulatur gleichmäßiger zu belasten.

Atmung | Gute Schwimmer können rechts wie links atmen.

Gute Schwimmer können rechts wie links atmen.

Foto >Daniel Kopatsch / spomedis

Schokoladenseite

Also nur noch Zweierzug? Nein, das wäre nicht ratsam. Entscheidend ist, dass Sie in der Lage sind, zu beiden Seiten atmen zu können. Denn das bringt Ihnen die größtmögliche Flexibilität. Schwimmen Sie im Wettkampf also Zweierzug, wenn Sie damit besser zurechtkommen. Doch zwingen Sie sich im Training dazu, hin und wieder nach links oder rechts zu atmen, auch wenn das nicht Ihre Schokoladenseite ist. Legen Sie Distanzen mit Dreier- oder Fünferzug zurück, um die beidseitige Atmung zu trainieren. Sie können davon ausgehen, dass die Spitzenathleten dies ebenfalls beherrschen.

Übungen

Mit diesen Übungen trainieren Sie die beidseitige Atmung.

  • 8 x 50 m: 25 m Zweierzug nach links + 25 m Zweierzug nach rechts
  • 200 m Atempyramide: jeweils 25 m Einer-, Dreier-, Fünfer-, Siebenerzug und retour.
  • 800 m: im Wechsel 150 m Dreierzug + 50 m Zweierzug
  • 4 x 100 m: fortlaufend 2 x Zweierzug (Atmung nach rechts) + 1 x Dreierzug + 2 x Zweierzug (Atmung nach links)