Schwimmausflug in die Schweiz

Der Bodensee bei Gaienhofen ist nur einen Kilometer breit. Was spricht dagegen, mal rüber zu kraulen zu den Eidgenossen? Wenn das Wetter mitspielt: gar nichts.

| 10. Juni 2017 | AKTUELL

Martin Tschepe hat es bis in die Schweiz nach Steckborn geschafft.

Martin Tschepe hat es bis in die Schweiz nach Steckborn geschafft.

Foto >Martin Tschepe

Ein sonniger Spätnachmittag am Bodensee. Kaum ein Wölkchen ist am Himmel, es ist fast windstill. Spiegelglatt ist die Wasseroberfläche. Von Gaienhofen in Deutschland ist die Schweiz nur etwa einen Kilometer entfernt. Ein Katzensprung. Der Yachthafen und der Kirchturm von Steckborn am anderen Ufer sind detailgenau zu erkennen.

 Also los, rein in den Neopren. Das Seewasser ist schon ziemlich warm, es dürfte gut 20 Grad haben. Wer ganz allein schwimmt, ohne Begleitboot, sollte aber trotzdem besser mit Pelle schwimmen. Sicher ist sicher. Und möglichst auch mit einer gut sichtbaren Boje. Mein Anzug ist neongrün, die Boje orangefarben, die Bademütze schwarz-rot-knallgelb. Eigentlich dürfte ich nicht zu übersehen sein. Schiffe sind an diesem Tag unter der Woche aber eh kaum unterwegs.

Beim Schwimmen zwischen den Booten ist Übersicht gefragt.

Beim Schwimmen zwischen den Booten ist Übersicht gefragt.

Foto >Martin Tschepe

Bester Stil: Wasserball-Kraul

Das Wasser ist klar. Beim Start dieses kleinen Schwimmausflugs in die Schweiz kann ich den Seegrund gut erkennen, Fische beobachten. Aber schon nach ein paar kräftigen Armzügen ist der See so tief, dass der Schwimmer nur noch ins grünliche Nichts blickt. Was da unten wohl liegt? Diese Frage stelle ich mir oft beim Schwimmen im Freiwasser - und verwerfe den Gedanken meist schnell wieder.

Die ersten 200, 300 Meter ist Slalomschwimmen angesagt, mitten durch die geankerten Yachten und Kleinboote hindurch. Von Vorteil ist, wenn der Ausflügler früher zumindest mal versucht hat, ein bisschen Wasserball zu spielen. Wasserballer-Kraul ist für Touren über das offene Gewässer wärmstens zu empfehlen, möglichst oft mit dem Kopf über Wasser schwimmen - denn man weiß ja nie: kommt womöglich doch ein Speedboot angerauscht? Dann sollte man spontan anhalten oder ausweichen oder Gas geben.

Ups. Papiere vergessen

Ist das nicht gefährlich? Ganz allein über den See schwimmen? Das hat eben ein anderer Campingplatzbewohner gefragt. Nicht gefährlicher, als Radfahren in der Großstadt, in Paris, London oder Jerusalem zum Beispiel, hab ich geantwortet. Ich fühle mich jetzt, mitten auf dem See, jedenfalls sicherer als damals im Urlaub mit dem Bike auf den Champs-Elysées, mitten in der City der britischen Metropole oder in der Jaffastraße in der heiligen Stadt.

Kurzer Stopp nach etwa der Hälfte der Strecke hinüber zu den Eidgenossen. Grandios. Vorne Wasser, hinten Wasser, rechts und links: Wasser. Überall Wasser. Und darüber Siedlungen am Ufer und bewaldeten Hügel.

Nach geschätzt gut 15 Minuten: Ankunft in Steckborn, Schweiz. Wieder an ein paar vertäuten Booten vorbei. Ein Foto machen vor der Anlegestelle für die Weiße Flotte. Dann geh` ich kurz an Land. Ob das wohl erlaubt ist? Die Schweiz betreten ohne Dokumente? Ich hätte den Ausweis ja mitnehmen können. Vergessen. Im Gepäcksack sind nur mein Mobiltelefon und ein Handtuch.

Routine kommt mit der Zeit

An einer eisernen Leiter steige ich an Land. Und blicke direkt ins Gesicht einer Dame, die kaum einen Meter entfernt auf einer Bank sitzt und ein Buch liest. Ich staune, sie staunt. Nach ein paar Minuten trete ich die Rückreise an. Diesmal ein bisschen flotter, aber wieder oft im Wasserballer-Kraulstil.

Es gibt Reiseveranstalter, die begleitete Schwimmausflüge anbieten, über Seen, in Flüssen, im Meer. Wer solche Reisen mehrmals gebucht hat, bekommt Routine und kann ohne größere Bedenken auch ganz allein auf Schwimmreise gehen.

Am Bodensee stehen jetzt noch auf der Urlaubsliste: ein Ausflug nach Radolfzell - immer am Ufer entlang, etwa zehn Kilometer weit  - und ein Schwimmen in Richtung Stein am Rhein. Immer möglichst nah am Ufer bleibt, dann sollte es kaum Probleme geben. In diesem Sinne: viel Spaß beim Freiwasser-Kraulen.

Geschafft. Für den Rest des Tages bleibt der Neo aus.

Geschafft. Für den Rest des Tages bleibt der Neo aus.

Foto >Martin Tschepe

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtet er gelegentlich von seinen Schwimm-Abenteuern. Für eine geplantes Nordseeschwimmen von Insel zu Insel Anfang Juli suchen er und sein Mitschwimmer noch Helfer mit Boot.