Schafft Wiersig als erster Deutscher den Coup?

Erst sechs Marathonschwimmern ist es bisher gelungen, die sieben extremen Schwimmen der Ocean's Seven zu bewältigen. Mit dem Paderborner André Wiersig könnte bald der erste Deutsche dazukommen. Sein Vorteil: Er hat die schlimmsten Rennen schon hinter sich.

| 25. März 2017 | AKTUELL

André Wiersig | André Wiersig im Interview mit SWIM.

André Wiersig im Interview mit SWIM.

Foto >Anne-Christin Schröter / spomedis

Auf dem Jahreskalender in seinem Büro hat sich André Wiersig den 20. Juli 2017 fett markiert. In Kalifornien will der 44-jährige Extremschwimmer an diesem Tag den 34 Kilometer breiten Catalina Channel durchqueren. Wenn alles läuft wie geplant, wird er kurz vor Mitternacht auf Santa Catalina Island ins Wasser gehen und dann stundenlang durch den Pazifik Richtung Festland kraulen. „Wegen der Strömung und der Haie ist es besser, im Dunkeln zu schwimmen“, erklärt Wiersig in der aktuellen SWIM, die Sie hier bestellen können.

Gelingt es dem Paderborner tatsächlich den Strand von Los Angeles zu erreichen, kann er das nächste Häkchen auf seine To-Do-Liste setzen. Es wäre das vierte auf einer Liste von insgesamt sieben Herausforderungen. Denn André Wiersig hat sich die Ocean's Seven zum Ziel gesetzt. Um das zu erreichen, muss er schaffen, woran selbst der große Christof Wandratsch gescheitert ist, und nach dem Catalina Channel noch den Tsugaru Channel in Japan (19 km), die Straße von Gibraltar (14 km) sowie die Cookstraße in Neuseeland (26 km) bewältigen.

André Wiersig  | André Wiersig schwimmt 2015 im Molokai Channel.

André Wiersig schwimmt 2015 im Molokai Channel.

Foto >privat

"Meine Frau sagt, ich leere die Familienkasse"

Abgehakt hat Wiersig in den letzten Jahren bereits den Ärmelkanal (34 km) und die als besonders schwierig geltenden Molokai Channel auf Hawaii (42 km) und Nordkanal zwischen Irland und Schottland (34 km). Vor allem der Molokai, den er als erster deutscher Schwimmer erfolgreich querte, verlangte ihm alles ab. Sah es zu Beginn nach einer rekordverdächtigen Zwölf-Stunden-Zeit aus, benötigte Wiersig wegen der Strömung letztlich sechs Stunden mehr. Zu allem Überfluss machte er nachts Bekanntschaft mit der extrem giftigen Portugiesischen Gallere und sah sich tagsüber plötzlich einem großen Blauhai gegenüber.

Das Besondere an Wiersig: Er arbeitet Vollzeit und ist zweifacher Familienvater - fürs Training bleibt ihm da nicht übermäßig viel Zeit. Deshalb steht für Wiersig alles unter dem Credo Effizienz und Zielorientierung. "Ich muss auf brutale Art sehen, dass ich schnell an diesen Punkt komme, an dem das Training effektiv wird", erklärt er und nennt als Beispiel das Konzept der Vorerschöpfung. "Dann mache ich Krafttraining bis ich die Arme nicht mehr heben kann, und gehe dann schwimmen."

Dieses Thema stammt aus der neuen SWIM. Lesen Sie im Magazin, was japanische Kapitäne sagen, wenn ein Extremschwimmer aus Deutschland anruft, und warum André Wiersig noch vor sechs Jahren kaum einen Zug im Freiwasser schaffte. SWIM können Sie als Einzelheft bestellen oder bequem im Abo beziehen.