Rund um Bamberg

Martin Tschepe ist für seine Freiwasser-Abenteuer bekannt. Diesmal hat es den schwimmenden Zeitungsredakteur nach Bamberg verschlagen.

| 30. Mai 2017 | AKTUELL

Elf Kilometer geht es durch einen Kanal und durch die Regnitz.

Elf Kilometer geht es durch einen Kanal und durch die Regnitz.

Foto >Martin Tschepe

Nach eineinhalb Stunden im Wasser wird’s hart. Die Strömung im Main-Donau-Kanal wird stärker und stärker. Kein Wunder, wir kraulen seit mehreren Kilometern Richtung Staustufe. Und weil es ordentlich geregnet hat, ist ein Stauwehr geöffnet. Die Wassermassen schießen stromabwärts, kommen direkt von vorne. Egal, die Conny und ich, wir kraulen weiter, immer weiter.

Conny Prasser will im Sommer die doppelte Belt-Querung angehen, als erste Frau überhaupt. Und ich habe vor, mit meinem Schwimmfreund Dierk Jensen in der Nordsee von Insel zu Insel zu kraulen, von Pellworm, wo Dirk aufgewachsen ist, möglichst bis nach Sylt, wo ich zur Schule gegangen bin. Bei diesem Freiwassertraining - einmal rund um Bamberg - können Conny und ich die Gegenströmung also gut brauchen, Bedingungen fast wie im Meer.

Zu zweit macht Freiwasserschwimmen einfach mehr Spaß: Autor Martin Tschepe und seine Begleiterin Conny Prasser.

Zu zweit macht Freiwasserschwimmen einfach mehr Spaß: Autor Martin Tschepe und seine Begleiterin Conny Prasser.

Foto >Martin Tschepe

Ab und zu Applaus

Wie kommt man bloß auf die (Schnaps)Idee, im Kanal und in der Regnitz einmal um die mittelalterliche Stadt in Oberfranken zu Schwimmen? Der Christian ist schuld. Christian Hübner. Der Informatiker aus Bamberg hat vor ein paar Jahren den Ärmelkanal bezwungen. Trainiert habe er dafür auch in der Regnitz, das hat der Christian bei unserem ersten Treffen erzählt, beim Saarschwimmen in Mettlach 2015. „Komm‘ mal nach Bamberg, dann schwimmen wir zusammen“, hatte Christian damals vorgeschlagen. Gerne. An diesem sonnigen Frühlingstag in Bamberg ist der Christian leider heftig erkältet, er will lieber nicht ins 18 Grad warme Regnitzwasser. Also begleitet er uns am Ufer mit dem Rad. Weist den Weg, dirigiert uns - vorbei an den Schleusen und später mitten durch die imposante Altstadt.

Ist das überhaupt erlaubt, das Schwimmen in der Regnitz und im Kanal? Wir haben lieber niemanden gefragt. Wir kennen uns aus mit Flussschwimmen - halten uns immer ganz nah am Ufer, bekommen bei dieser tollen gut elf Kilometer langen Trainingseinheit jedenfalls keinen Ärger. Dafür von manchen Passanten mitunter ein bisschen Applaus.

Hier geht es nicht weiter. Doch nach einem kurzen Landgang ist das Wehr übewunden.

Hier geht es nicht weiter. Doch nach einem kurzen Landgang ist das Wehr übewunden.

Foto >Martin Tschepe

Ist Schwimmen hier überhaupt erlaubt?

Die letzten Meter bis zum Wehr sind geschafft. Wir krabbeln über glitschige Stufen aus dem Kanal. Machen ein paar Fotos. Trinken, essen etwas. Laufen um das Wehr herum und steigen wieder ins Wasser. Jetzt ist die Strömung kaum mehr zu spüren. Noch geschätzt einen weiteren Kilometer - und wir biegen rechts ab, hinein ins Vergnügen, in die Regnitz, die sich fast von allein schwimmt. Mit der Strömung sausen wir in Richtung Rathaus und Dom. Zunächst vorbei an einem Wäldchen. Am Ufer sitzt ein Mann und angelt - und staunt, als er uns entdeckt. Wir kraulen vorbei an der Hainbadestelle, es ist also nicht generell verboten, das Schwimmen und Baden in der Regnitz.

Andere Schwimmer treffen wir aber keine. Ein paar Badegäste liegen in der Sonne. Ein freundlicher Fährmann erklärt uns mitten in der Stadt, dass wir nun nur noch ein paar hundert Meter Schwimmen und dann aussteigen sollen. Das nächste Wehr. Christian passt uns ab, geleitet uns - jetzt zu Fuß - durch ein paar Gassen zur nächsten Einstiegsstelle. Die Fußgänger staunen nicht schlechte: eine Frau und ein Mann im Schwimmdress mitten in Bamberg?

Bamberg aus der Schwimmerperspektive.

Bamberg aus der Schwimmerperspektive.

Foto >Martin Tschepe

Kraul in Klein-Venedig

Die Schwimmstrecke durch Klein-Venedig, die ehemalige Fischersiedlung der Stadt, wird zum Höhepunkt dieses Schwimmausflugs im Bayerischen. Grandios. Klein-Venedig besteht aus alten Wohnhäusern aus dem 17. Jahrhundert und ist die Kulisse für das Fischerstechen, das immer im August stattfindet, und für die Sandkirchweih, das größte Volksfest in Bamberg. Wir stoppen kurz. Schießen vom Wasser aus ein paar Erinnerungsfotos vor dieser einmaligen Häuserfront mit Gärtchen direkt am Ufer. Und weiter. Noch eine Staustufe umlaufen. Nach rund zehn Kilometern erreichen wir wieder den Kanal, biegen rechts ab - und sind wieder in der Gegenströmung. Nochmal einen Kilometer Krafttraining - dann sind wir zurück beim Ruderklub, wo wir gestartet sind.

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtet er gelegentlich von seinen Schwimm-Abenteuern. Für das geplante Nordseeschwimmen Anfang Juli suchen er und sein Mitschwimmer noch Helfer mit Boot.