Plymouth und die wilden Schwimmer

Sie treffen sich zweimal die Woche, immer Donnerstagabends und Samstagvormittags - zum Schwimmen bei Wind, Wetter und Wellen im Meer. Im Winter, im Sommer, immer. Willkommen bei Devon Wild Swimming im südenglischen Plymouth.

| 11. April 2017 | AKTUELL

Der Autor im Schwimmrevier vor Plymouth.

Der Autor im Schwimmrevier vor Plymouth.

Foto >Martin Tschepe

Hartgesottene Briten

Die britischen Schwimmer sind abgehärtet. Viele kommen jede Woche zu den Treffen und Trainingseinheiten im Meer. Selbst im Januar, wenn das Wasser nur rund fünf Grad hat. Alles Übungssache, sagen die hartgesottenen Salzwasserfreunde. Einige Schwimmer sind nahezu täglich im Meer, mitunter ganz allein.

Lesley, Rachel und Kerry sind am diesem herrlichen Samstag gegen elf Uhr längst weit draußen im Meer, schwimmen bei den orangefarbenen Bojen, die alle Schiffsführer darauf hinweisen, dass sie besonders gut aufpassen müssen: „Swim Area - maximal vier Knoten“, ist auf den Bojen zu lesen. Wer richtig trainieren will, der kann sich gut an diesen sechs Bojen orientieren. Einmal an allen vorbei schwimmen: Die halbe Meile ist geschafft. Achtmal hin und her kraulen: Die Strecke des Breakwater-Schwimmens ist absolviert.

Manche Wild Swimmers verlassen das Wasser erst nach einer Stunde.

Manche Wild Swimmers verlassen das Wasser erst nach einer Stunde.

Foto >Martin Tschepe

Depressionen verschwinden

Wer Samstagvormittags die Ohren spitzt, der hört die Bobbers quatschen, selbst vom Strand aus. Manche Schwimmer bleiben nur ein paar Minuten im kalten Wasser, viele treffen sich gegen zwölf Uhr im Terrassen-Cafe mit dem spektakulärsten Blick auf Drake’s Island und auf Cornwall. Ein paar Damen verabreden sich spontan, sie wollen auch am Sonntag vor dem Hoe im Meer schwimmen.

Eine Frau, Mitte 30, erzählt, dass das regelmäßige Schwimmen und die Treffen mit Gleichgesinnten ganz, ganz wichtig für sie seien. Ihr Lebenselixier. Früher, erzählt sie, sei sie oft schlecht drauf gewesen, sie spricht auch von Depressionen, die nun - seit sie schwimme - wie weggeblasen seien. Ganz besonders toll sei das Meerschwimmen an Wintertagen, wenn es längst stockfinster ist über dem Plymouth Sound, dem Meer vor der rund 250.000 Einwohner zählenden Stadt.

Cornwall bietet allen Besuchern fantastische Ausblicke.

Cornwall bietet allen Besuchern fantastische Ausblicke.

Foto >Martin Tschepe

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtet er gelegentlich von seinen Schwimmabenteuern. In Plymouth schwamm er zweimal im Meer, einmal 50 Minuten lang mit Neo und einmal knapp 30 Minuten lang ohne.