Letzter Olympiasieger von Berlin gestorben

Schwimm-Olympiasieger Adolph Kiefer ist tot. Der US-Amerikaner starb am 5. Mai im Alter von 98 Jahren in seinem Haus in Wadsworth/Illinois. Kiefer hatte 1936 in Berlin Gold über 100 Meter Rücken gewonnen.

| 8. Mai 2017 | AKTUELL

Im Berliner Olympiabad schwamm Adolph Kiefer 1936 zur Goldmedaille.

Im Berliner Olympiabad schwamm Adolph Kiefer 1936 zur Goldmedaille.

Foto >dreamstime.com (Tigger76)

In Berlin siegte Kiefer im Alter von 18 Jahren über 100 Meter Rücken in 1:05,9 Minuten vor seinem Landsmann Albert van de Weghe (1:07,7 min) und dem Japaner Masaji Kiyokawa (1:08,4 min). Nach dem Tod des ungarischen Wasserballers Sándor Tarics vor einem Jahr galt der 1918 in Chicago geborene Athlet als letzter lebender Olympiasieger von 1936.

Kiefer war der wohl beste Rückenschwimmer seiner Zeit. Viermal verbesserte er 1935 und 1936 den Weltrekord über 100 Meter. Seine Marke von 1:04,8 Minuten bestand zwölf Jahre lang und wurde erst 1948 unterboten. Auch über die doppelte Distanz hielt er mehrere Jahre lang den Weltrekord. Seine beste Zeit schwamm Kiefer 1944 während des Zweiten Weltkrieges in 2:19,3 Minuten. Weitere Olympiaerfolge blieben ihm wegen des Kriegs verwehrt.

Schwimmausbilder bei der Navy

Die International Swimming Hall of Fame, die Kiefer 1965 aufnahm, würdigte den Sportler auch für seine Leistungen als Schwimmlehrer der US Navy. Während des Kriegs habe er die enormen und unnötigen Verluste der Soldaten dokumentiert, die wegen mangelnder Schwimmfähigkeiten ums Leben kamen, hieß es damals in der Laudatio. Trotz seines jungen Alters habe Kiefer später die gesamte Schwimmausbildung der Navy verantwortet und rund 11.000 Schwimmlehrer trainiert.

Der "Welt" berichtete Kiefer 2011 von einer Begegnung mit Adolph Hitler bei den Spielen in Berlin. "Ich traf Hitler am Swimmingpool im Olympischen Dorf. Angeblich wollte er mich treffen. Im Jahr zuvor hatte ich bei diversen Schwimm-Meetings in Deutschland mehrfach den Weltrekord verbessert und war oft auf den Titelseiten deutscher Zeitungen", sagte Kiefer. "Er gab mir die Hand. Wir unterhielten uns kurz. Ein Dolmetscher übersetzte, weil er kein Englisch, und ich kein Deutsch sprach. Gefilmt wurde das von Leni Riefenstahl."