"Die Kollegen sollen die Konzepte lesen"

Mit viel Leidenschaft hat Henning Lambertz in Berlin seine aktuellen Reformen im deutschen Schwimmsport verteidigt. DSV-Präsidentin Gabi Dörries stärkte dem Bundestrainer den Rücken.

| 15. Juni 2017 | AKTUELL

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Zentralisierung, harte WM-Normen, Kraftkonzept: Henning Lambertz hat in den letzten Wochen viel Gegenwind für seine Reformen erfahren. Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin bezogen er und DSV-Präsidentin Gabi Dörries Stellung.

Gabi Dörries zur Zentralisierung

"Das ist eine Frage, die heftig diskutiert wird. Eine Frage, bei der ich klar und deutlich sage: Wir stehen zur Zentralisierung. Aber es ist nicht unsere Erfindung. Auf der Mitgliederversammlung des DOSB im Dezember wurden die Eckpunkte der Spitzensportreform beschlossen. Das, was wir tun, tun wir im Einklang mit dem gesamten deutschen Sport. Auch wir sind der Meinung, dass dies der richtige Weg ist. Das heißt nicht, dass nicht auch Insellösungen funktionieren können. Das haben wir nie gesagt. Aber wenn wir unsere Fördermittel sicherstellen wollen, dann müssen wir die Punkte, Kaderkonzentration und Bundesstützpunktkonzentration in unseren Konzepten beantworten."

Lambertz zur Zentralisierung

"In dem Konzept der Zentralisierung werden wir auch immer Einzellösungen finden. Es geht darum, gerade die Heranwachsenden jetzt schon daran zu gewöhnen, dass man seinen nächsten Schritt an den professionellsten Zentren, die wir in Deutschland zu bieten haben, vollzieht. Keiner hat einem Athleten wie Marco Koch gesagt, er muss an einen Bundesstützpunkt wegen der Zentralisierung. Da man muss man sauberer recherchieren."

Lambertz zu den WM-Normen

"2013 haben wir es mit relativ weichen Normen probiert, weil ich einen großen Pool an Athleten motivieren wollte, dabei zu sein. Davon habe ich ich mir einen großen Erfahrungsgewinn versprochen. Jetzt war 2016 nicht erfolgreicher als 2012. Deshalb mussten wir umdenken. Wir haben die harten Normen der Briten und Franzosen analysiert. Bei den Briten standen alle, die die Normen erfüllt haben, hinterher in Rio im Finale. Deshalb ist das keine Spielerei, sondern internationaler Standard, den wir erreichen müssen, wenn wir vorne mitmachen wollen. Bei der ganzen Diskussion um harte Normen vergisst man, dass wir U23-Normen aufgelegt haben. Die gelten auch für relativ erfahrene Schwimmer, da würde auch eine Alexandra Wenk drunterfallen, die schon bei zwei Olympischen Spielen war. Tiefer als diese Normen geht es nicht, denn das ist der FINA-A-Cut, also die Minimalanforderung der FINA für die WM."

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Lambertz zum Kraftkonzept

"Natürlich ist es so, dass es da immer wieder Diskussionen gibt. Aber da muss man genauer hinschauen. Ich würde Kollegen bitten, die zitiert werden, mal das Kraftkonzept und die Nachwuchskonzepte zu lesen und vielleicht auch mal den Rahmentrainingsplan. Denn wenn man urteilt, sollte man wissen, worüber man urteilt. Kein Mensch hat jemals verlangt, dass ein Ausdauersportler hartes Krafttraining machen muss. Das steht nirgends. Wir reden bei einem Langstreckler von maximal drei Stunden Krafttraining. Das ist weniger als bisher. Ich will also nicht mehr, ich will nur, dass es anders gemacht wird. Die Inhalte des Krafttrainings sollen verändert werden.  Dafür gibt es gute Gründe. Klaus Rudolph hat vor über zehn Jahren schon die schlechte Athletik der deutschen Schwimmer kritisiert. Wir wollen diese Chance nutzen. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum daran immer wieder gemeckert wird, ohne eigene bessere Ideen zu haben."

Dörries zur Kritik von Paul Biedermann und Frank Embacher

"Ich finde die Argumentation ehrlich gesagt etwas merkwürdig, die dort von Herrn Embacher und Paul kommt, obwohl ich Paul total schätze. Einerseits loben sie sehr das letztjährige Staffelprojekt, wo er genau das gehabt hat, was er wollte. Dieses Training mit  Florian Vogel, woraus Paul, das sagt er ja ganz offen, sehr viel Energie gezogen hat. Ist das nicht auch Zentralisierung? Beim Prozess mit Herrn Embacher geht es um einen ausgelaufenen Vertrag. Wir werden das Ergebnis abwarten. Dafür gibt es diesen Rechtsweg."

Lambertz zu Kritik

"Es empfinde momentan Gegenwind von genau einer Person. Dass diese Person vielleicht auch persönlich enttäuscht ist, kann ich menschlich sogar verstehen. Aber auch diese Person hat uns immer die Daumenschrauben angelegt. Wenn kein Vertrauen da ist, dann ist es halt nicht da. Aber jetzt von einem enttäuschten Trainer auf die ganze Nation zu schließen, tue ich zumindest nicht."