Kind verletzt sich am See - Gemeinde muss zahlen

Ein Kleinkind trat im vergangenen Sommer an einem Badesee auf eine erhitzte Metallplatte und verbrannte sich die Fußsohlen. Richter entschieden jetzt: Die Gemeinde, die den See betreibt, muss Schmerzensgeld zahlen.

| 15. Mai 2017 | AKTUELL

Badesee | Badeseen sind besonders beliebt bei Familien mit kleinen Kindern.

Badeseen sind besonders beliebt bei Familien mit kleinen Kindern.

Foto >Sonja Schleutker Franke / spomedis

Aufgrund der Sommerhitze hatte sich eine Metallrampe, über die man zu den Toiletten des Badesees gelangt, so stark erhitzt, dass sich das drei Jahre alte Mädchen beide Füße verbrannt hatte und im Krankenhaus behandelt werden musste. Die Eltern des Kindes zogen daraufhin in Bayern vor Gericht und verlangten Schmerzensgeld.

Verletzung der Aufsichtspflicht?

Die beklagte Gemeinde wies jede Schuld von sich – vielmehr „hätte die Mutter des klagenden Kindes selbst ihre Aufsichtspflicht verletzt. Sonst hätte das Kind nicht unbemerkt auf die Metallrampe steigen können“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landgerichts Coburg. Außerdem sei allgemein bekannt, dass sich Metall bei Sonneneinstrahlung erhitze. Für solche offensichtlichen Gefahren bestünde keine Verkehrssicherungspflicht. Das sahen die Richter anders: Für Erwachsene sei bekannt, dass sich Metallplatten erhitzen könnten. Allerdings gehören gerade auch Kinder zu den Benutzern des Badesees und für diese sei die Gefahr eben nicht so offensichtlich.

Im Verhalten der Eltern sah das Gericht keine Verletzung ihrer Aufsichtspflicht. Von den Eltern könne danach nicht verlangt werden, das Kind ständig an der Hand zu halten oder in unmittelbarer greifbarer Nähe zu bleiben. Die Gemeinde muss deshalb Schmerzensgeld an das Kind zahlen (Landgericht Coburg, Aktenzeichen 23 O 457/16).