Hooge ahoi

Von Pellworm mitten durch die Nordsee bis zur Hallig Hooge schwimmen? Die spinnen doch, haben manche Insulaner sicher gedacht. Unser Autor Martin Tschepe und sein Begleiter sind gut angekommen auf Hooge, nach eineinhalb Stunden im Wasser.

| 30. August 2017 | AKTUELL

Glück gehabt: Heute spielt das Wetter mit.

Glück gehabt: Heute spielt das Wetter mit.

Foto >Hermann Ohrt

Von Pellworm nach Hallig Hooge

Die Nordsee ist gnädig. Jedenfalls gnädiger als Anfang Juli. Damals hat uns das Meer beim Schwimmen hin und her geworfen, hin und her, hin und wieder her. Wir wären ja vielleicht geschwommen, aber alle Skipper, die uns mit ihrem Boot hätten begleiten können, haben abgewunken.

An diesen sonnigen Spätsommertag im August mit Windstärke vier ist das Meer zwar auch ordentlich in Wallung. Es schüttelt uns permanent durch. Aber bei diesen Bedingungen ist die Nordsee gut schwimmbar.

Die Schwimmer: Martin Tschepe und Dierk Jensen.

Die Schwimmer: Martin Tschepe und Dierk Jensen.

Foto >Martin Tschepe

Dierk und ich wollen uns einen Kindheitstraum erfüllen: einmal von Pellworm hinüber zur Nachbarhallig Hooge kraulen. Dierk Jensen ist auf Pellworm aufgewachsen, er ist einer der Organisatoren des Inseltriathlons Trifun auf Pellworm, ein guter Sportler. Ich bin auch ein Nordseekind, einst in Hörnum auf Sylt zur Schule gegangen. Lange her, in den Siebzigern. Auch ich kann ganz gut im Freiwasser schwimmen. Auch ich habe einen ganz ähnlichen Kindheitstraum wie Dierk, es wird aber ein Traum bleiben, zumindest vorerst.

Neo für die Sicherheit

Die Sonne lacht vom Himmel. Von Pellworm aus ist nicht nur Hooge sehr gut zu erkennen, sondern auch die weiter entfernten Inseln, wie Föhr und Amrum. Wir haben ein Begleitboot, am Steuer sitzt Hermann Ohrt. Dierk und ich tragen Neoprenanzüge, nicht, weil das Wasser kalt wäre - die See hat geschätzt 19 Grad. Mit Plastikpelle fühlt sich der Schwimmer sicherer, kann im Notfall nicht untergehen. Zudem haben wir jeder eine Schwimmboje im Schlepptau. Auch zur Sicherheit.

Anno dazumal, im Schulunterricht auf Sylt, wurde den Kindern eingebläut: Schwimmt nicht so weit raus! Die Strömungen sind tückisch! Geht nur ins Meer, wenn Rettungsschwimmer aufpassen. Diesen Rat der Lehrer haben wir damals schon nicht befolgt. Trotzdem hat sich etwas eingenistet im Hinterstübchen: Das Meer ist mitunter gefährlich. Ich hab jedenfalls ordentlich Respekt vor der Nordsee, bin zwar schon super weit geschwommen, zum Beispiel an der Sylter Westküste rund 30 Kilometer an einem Tag. Wirklich weit raus bin ich aber noch nie geschwommen.

Kurzes Päuschen in der Nordsee.

Kurzes Päuschen in der Nordsee.

Foto >Martin Tschepe

Von Pellworm nach Hooge sei erst einmal ein Mann gekraut. Das erzählen die alten Insulaner. Der Mann sei Kampfschwimmer gewesen, habe die Strecke während des Zweiten Weltkriegs während eines Heimaturlaubs bezwungen. Ein paar weitere Schwimmversuche seien gescheitert. So geht die Legende.

Wir schwimmen!

Start vor Pellworm. Das Salzwasser ist super angenehm, es schmeckt gut, trägt den Schwimmer, schimmert in der tief stehenden Sonne. Im Geschaukel kommen wir gut voran, schwimmen - wie ein altes Ehepaar - oft ganz nah nebeneinander her. Das Begleitboot ist selten weiter als ein paar Meter entfernt.