Hooge ahoi

Von Pellworm mitten durch die Nordsee bis zur Hallig Hooge schwimmen? Die spinnen doch, haben manche Insulaner sicher gedacht. Unser Autor Martin Tschepe und sein Begleiter sind gut angekommen auf Hooge, nach eineinhalb Stunden im Wasser.

| 30. August 2017 | AKTUELL

Glück gehabt: Heute spielt das Wetter mit.

Glück gehabt: Heute spielt das Wetter mit.

Foto >Hermann Ohrt

Kindheitsträume

Wir schwimmen! Grandios! Beim Blick nach hinten wird Pellworm immer kleiner, beim Blick nach vorne Hooge dafür immer größer. Nicht alle sind so begeistert wie wir. Unsere Mütter zum Beispiel nicht. Muss das denn sein? In Eurem Alter? Solche und ähnliche Fragen haben die Damen uns gestellt. Ja, es muss sein - Kindheitsträume halt.

Wir kommen flott voran, schneller als erwartet. Haben nach gut 40 Minuten schon etwa die Hälfte der Strecke geschafft. Die Flut drückt uns in Richtung Festland, das haben wir ganz bewusst so geplant. Bei Ebbe würden wir nämlich hinausgezogen auf das offene Meer. Viele Nordlichter haben uns gewarnt und mit grimmigen Gesicht sinngemäß erklärt: zu gefährlich, die starken Strömungen ziehen euch weg, wenn es dumm läuft, dann kommt ihr nie an. Dann wären wir halt ins Boot gestiegen. Aber welcher Schwimmer steigt schon freiwillig in ein Boot?

Daumen hoch, es ist nicht mehr weit.

Daumen hoch, es ist nicht mehr weit.

Foto >Martin Tschepe

Kindheitsträume

Das Kraulen gegen die Strömung kostet Kraft, klar. Aber nach all den Warnungen der vielen Bedenkenträger hatte ich gedacht, der Schwimmausflug nach Hooge würde anspruchsvoller. Die geschätzt rund 4,5 Kilometer sind ein gemütlicher Schwimm-Spaziergang, jedenfalls für einigermaßen trainierte Sportler. Zur Nachahmung empfohlen, mit Begleitboot und bei moderaten Windgeschwindigkeiten.

Ein letzter Stopp. Schnell noch ein paar Fotos schießen mit der wasserfesten Kamera. Unser Skipper deutet ein letztes Mal die Richtung an, die wir einschlagen sollen. Ein kurzer Endspurt - geschafft. Ankunft am Ufer. Eine Hooge-Urlauberin fragt zunächst ungläubig, wo wir denn - bitte schön - herkommen. Dann beglückwünscht sie die zwei Inselschwimmer.

Meine Arme fühlen sich richtig gut an. Ich bin eigentlich erst eingeschwommen, könnte locker gleich weiter kraulen bis zur Nachbarinsel Langeneß. Das geht aber leider nicht, jedenfalls sich an diesem Tag. Und wohl auch nicht mehr in diesem Sommer. Wir haben kein Begleitboot nach Langeneß, die Ebbe setzt eh gleich ein und es wird demnächst dunkel.

Mein Kindheitstraum bleibt vorerst mein Kindheitstraum: schwimmen von Föhr bis nach Hörnum auf Sylt. Und vorher möglichst noch von Hooge nach Langeneß und weiter bis nach Föhr.

Schwimmen von Föhr nach Sylt? Unmöglich, sagen viele Insulaner. Das wollen wir doch mal sehen - im nächsten Sommer.

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtet er gelegentlich von seinen Schwimm-Abenteuern. Mit seinen Projekten sammelt er Spenden für ein Behinderten-Schwimmprojekt. Infos auf www.bahn9.de