Heidtmann wegen Brustwende disqualifiziert

Das fulminante 400-Meter-Lagen-Rennen von Jacob Heidtmann ist zwar schon drei Tage her, eines gilt es aber noch aufzulösen: Der Grund für die Disqualifikation des Elmshorners.

| 10. August 2016 | AKTUELL

Jacob Heidtmann | Jacob Heidtmann ärgert sich nach seinem starken Rennen über die Disqualifikation.

Jacob Heidtmann ärgert sich nach seinem starken Rennen über die Disqualifikation.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Viel wurde nach der bitteren Schiedsrichterentscheidung, die Jacob Heidtmann das Olympiafinale und einen deutschen Rekord kostete, diskutiert und gerätselt. In der ARD hatte man sich rasch auf die Wende vom Rücken- zum Brustschwimmen festgelegt. Angeblich soll Heidtmann hier einen Fehler gemacht haben. Gleichzeitig sagte Christian Keller im ZDF-Livestream, der Regelverstoß wäre wohl bei der Wende zum Freistilschwimmen geschehen. Unisono forderten die TV-Experten umgehend einen Protest von Bundestrainer Henning Lambertz.

Alles falsch. Wie Heidtmanns Trainerin Petra Wolfram in Rio zu SWIM sagte, lag der Grund für die Disqualifikation nämlich auf der anderen Seite des Beckens. Der Schwimmer soll nach der 250-Meter-Wende, also nach der Hälfte der Brustdistanz, zwei Delfinkicks unter Wasser ausgeführt haben, obwohl nur einer erlaubt ist. Der Disqualifikationsgrund wird nicht im Protokoll genannt, die auf Vermutungen basierte Berichterstattung in Deutschland habe deshalb für zusätzliche Verwirrung gesorgt. Petra Wolfram hält die Disqualifikation von Heidtmann für fragwürdig, da sie kein Videomaterial gesehen habe, auf dem ein aktiver Kick zu erkennen wäre. 

Da andererseits eventuell entlastendes Videomaterial laut FINA-Reglement nicht zugelassen ist, verzichtete das deutsche Team auf einen Protest, zumal die Erfolgsaussichten grundsätzlich äußert gering sind. Die Disqualifikation durch einen Wenderichter ist laut Regelwerk eine Tatsachenentscheidung, die sich nicht rückgängig machen lässt.

Heidtmann hatte das Rennen nach 4:11,85 Minuten beendet. Es war die fünftschnellste Zeit aller Vorlaufteilnehmer.