Handy-Aufkleber sollen Privatsphäre schützen

Um die Privatsphäre ihrer Gäste zu schützen, verbieten viele Schwimmbäder das Fotografieren und Filmen. In der Salztherme Lüneburg sollen spezielle Objektiv-Aufkleber für Smartphones bei der Umsetzung dieses Verbots helfen.

| 18. Januar 2017 | AKTUELL

SaLü | Mit den Smartphonestickern möchte das SaLü die Privatsphäre seiner Besucher schützen.

Mit den Smartphonestickern möchte das SaLü die Privatsphäre seiner Besucher schützen.

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Und wie läuft das konkret ab? „Jeder Gast, der sein Smartphone im SaLü nutzen möchte, muss seine Handykamera mit einem Sticker abkleben“, sagt Geschäftsführer Dirk Günther. Bisher seien die Rückmeldungen der Gäste ausschließlich positiv. Viele möchten eine ungewollte Verbreitung persönlicher Bilder im Internet vermeiden und sind daher für die Sicherung ihrer Privatsphäre im SaLü sehr dankbar.“

Keine Ausnahme

Besucher können sich die Kamerasticker selbst an den Verteilerstellen holen und damit die Optik ihres Smartphones abdecken. „Unsere Schwimm- und Saunameister kontrollieren diese Nutzung bei ihren Rundgängen und sprechen die Gäste bei Bedarf an.“ Wird das Fotografierverbot missachtet, könne dies nach ersten Abmahnungen bis zu einem Hausverbot für besonders „Unbelehrbare“ führen.

Ausnahmen gibt es in Lüneburg nicht: „Die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) beinhalten keine Ausnahmen oder Sonderfälle. Das Recht auf Privatsphäre besteht für jeden Gast und daher müssen auch Eltern, die eigentlich nur ihre Kinder fotografieren möchten, sich an die AGB halten.“

Ein Tool für die Persönlichkeitsrechte

Auch beim Hamburger Badbetreiber Bäderland hat man sich für solche Aufkleber entschieden. Wann sie letztendlich in den Schwimmhallen erhältlich sind, steht allerdings noch nicht fest. Bäderland hatte kürzlich seine Bade- und Hausordnung überarbeitet. Foto- und Filmaufnahmen auch mit Smartphones sind in allen Bädern verboten. „Zum einen wollen wir damit die Persönlichkeitsrechte der Badegäste und insbesondere von Kindern schützen und zum anderen sind Eltern weniger abgelenkt und achten mehr auf den eigenen Nachwuchs“, sagt Pressesprecher Michael Dietel. Die Handy-Aufkleber seien ein gutes Tool, um die Aufmerksamkeit auf das Thema „Achtung der Persönlichkeitsrechte“ zu lenken und jedem Gast auch seine entsprechende Verantwortung zu verdeutlichen, sagt Dietel.

Eine Ausnahme macht Bäderland allerdings: Wer den eigenen Nachwuchs bei den ersten Schwimmversuchen filmen oder fotografieren möchte, darf das, wenn er am besten vor dem Badbesuch eine Genehmigung von der Pressestelle eingeholt hat, dem Schwimmmeister Bescheid gesagt hat und keine anderen Personen im Becken fotografiert oder gefilmt werden.

Rücksichtnahme der Badegäste

Auch in anderen Städten ist das Fotografieren und Filmen im Schwimmbad verboten. In München werden allerdings Ausnahmen gemacht: „Für Medien- beziehungsweise Pressevertreter besteht die Möglichkeit, eine Fotogenehmigung zu beantragen. Fotografieren im familiären Bereich in einem unserer Bäder wird toleriert, so lange nicht die Persönlichkeitsrechte Dritter eingeschränkt werden. Sollten allerdings Beschwerden beim Personal eingehen, handeln diese situativ, aber konsequent, sagt Michael Solić, Pressesprecher der Stadtwerke München.

Von Aufklebern wie in Lüneburg hält der Münchner wenig: „Die Kontrolle eines solchen Stickers ist in den Bädern oder gar in den Freibädern nicht möglich. Wir setzen weiter auf die Aufmerksamkeit und die Rücksichtnahme unserer Badegäste.“

Schwer zu kontrollieren

In den Kölner Bädern sind Handys und Tablets ebenfalls verboten. „Wir halten am Verbot fest, obwohl es vor allem in der Freibadesaison schwer zu kontrollieren und 100 prozentig durchzusetzen ist“, sagt Franziska Graalmann, Pressesprecherin der KölnBäder. Ein Problem sei zudem die Nutzung von minikleinen Unterwasser-Kameras. „Das ist auch im Hallenbad schwer zu kontrollieren.“ Ausnahmen gibt es in der Domstadt, wenn beispielsweise Eltern die ersten Schwimmversuche ihres Kindes mit Handy aufnehmen: „Wenn gefragt wird, können Ausnahmen in Einzelfällen ermöglicht werden. Diese führen aber bei anderen Gästen mitunter zu Diskussionen. Hier wird von Fall zu Fall abgewogen und entschieden.“