Gold für Petar Stoychev und Julia Wittig

Grandiose Bedingungen für die Weltmeisterschaften im Eisschwimmen in Burghausen: klirrend kalt, Sonne satt, drei Grad Wassertemperatur. Ein Titel bleibt in Burghausen, einer geht nach Bulgarien.

| 6. Januar 2017 | AKTUELL

Julia Wittig  | Weltmeisterin Julia Wittig im Siegerinterview.

Weltmeisterin Julia Wittig im Siegerinterview.

Foto >Martin Tschepe

Julia Wittig und Petar Stoychev sind die neuen Weltmeister im Eisschwimmen. Die Lokalmatadorin aus dem bayerischen Burghausen und der Mann aus Bulgarien setzen sich am Freitag über die Distanz von 1.000 Metern im Eiswasser durch.

Wittig schlug nach 13:13 Minuten an, Petar Stoychev war nach 12:15 Minuten im Ziel. Weltrekordhalter Christof Wandratsch musste sich geschlagen geben. Er wurde nur Fünfter, in einer für ihn wenig befriedigenden Zeit von 13:16 Minuten. Nach dem Rennen vor grandioser Kulisse unterhalb der längsten Burg Europas, sagte Wandratsch: „Ich bin nicht ganz zufrieden.“ Er sei froh, „dass es jetzt rum ist“.

Pool | Blick auf den Wettkampfpool in Burghausen.

Blick auf den Wettkampfpool in Burghausen.

Foto >Martin Tschepe

Goldene Badekappe

Das Rennen war eine Demonstration, Stoychev hielt sich zunächst zurück, aber nach etwa 300 Metern zündete der Mann seinen Turbo und zog an allen Konkurrenten vorbei. Nach gut 800 Metern überrundete der Ausnahmeathlet, der eine goldfarbene Bademütze trug, Lokalmatador Wandratsch. Auch die deutlich jüngeren Mitschwimmer hatten keine Chance. Auf Platz zwei landete Conor Turner aus Irland (12:42 Minuten), dritter wurde Rostilav Vitek aus Tschechien (12:45 Minuten).

Eine überglückliche Wittig erklärte nach ihrem Rennen, dass sich die ersten 500 Meter „okay“ angefühlt hätten, die zweiten 500 Meter indes „haben weh getan“ - kein Wunder, das Wasser im Wöhrsee hat nur rund drei Grad. Das Eisschwimmen sei in erster Linie „Kopfsache“, sagte die frisch gekürte Weltmeisterin.

300 Teilnehmer am Wochenende

Am Rande der Meisterschaften erklärten viele Schwimmer augenzwinkernd, dass die kürzlich in Wien aufgestellten Weltrekorde von Wandratsch (11:59 min) und Wittig (12:21 min) womöglich für die Ewigkeit seien - weil die Strecke weniger als 1.000 Meter lang gewesen sein könnte. Die beiden Rekorde bleiben jedenfalls in Burghausen.

Am Wochenende gehen die Wettkämpfe im Wöhrsee mit den 3. Ice Swimming Aqua Sphere German Open weiter. In der Nacht zum Samstag sollen die Temperaturen nochmal fallen, gut möglich, dass rund 300 Teilnehmer dann bei noch weniger als drei Grad schwimmen müssen. Viele Zuschauer sagen, die wahren Helden der Eismeisterschaften seien ohnehin nicht die ganz schnellen Schwimmer, sondern die langsamen - weil sie noch viel länger im eiskalten Wasser ausharren müssen. Die langsamsten Schwimmer bei der WM benötigten für den Kilometer rund 25 Minuten.

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Er schwimmt in Burghausen unter anderem die 1.000 Meter bei den German Open.