„Auf Analyse hatte ich noch keinen Bock“

Die Medaille wird einen ganz besonderen Platz bekommen, sagt Franziska Hentke. Wir haben die Vize-Weltmeisterin ein paar Tage nach ihrem größten Triumph noch einmal gesprochen.

| 31. Juli 2017 | AKTUELL

Für Franziska Hentke war die WM in Budapest ein voller Erfolg.

Für Franziska Hentke war die WM in Budapest ein voller Erfolg.

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Franziska Hentke, mit ein paar Tagen Abstand: Was denken Sie, wenn Sie Ihre Silbermedaille in die Hand nehmen? Ich kriege sofort wieder Gänsehaut. Es ist für mich so unglaublich dass sich nach all den Jahren dafür belohnt wurde, dass es endlich geklappt mit dieser Medaille. Ich bin immer noch überglücklich.

Wie werden Sie das gute Stück aufbewahren? Ich habe einen Rahmen, in dem ich meine internationalen Medaillen habe. Aber diese von Budapest wird einen besonderen Platz bekommen.

Nachdem es auf der Langbahn in Kasan und bei Olympia in Rio nicht so lief wie erhofft, standen Sie enorm unter Druck. Hinzu kamen die Pleiten für Philip Heintz und Marco Koch. Haben Sie das gespürt? Ich muss sagen weniger als die letzten Jahre. Das lag aber vor allem daran, dass ich mir selber weniger Druck gemacht habe. Wir haben zu Beginn der Saison gesagt, wir lassen das Jahr ruhig angehen. Ich wollte hier Saisonbestzeit schwimmen und ich wusste, dass das fürs Finale reichen würde. Wäre ich dann 2:06,0 oder 2:05,9 geschwommen, und Siebte geworden, wäre das für mich völlig okay gewesen.

Da ist das Ding: Franziska Hentke posiert stolz in der Duna Arena.

Da ist das Ding: Franziska Hentke posiert stolz in der Duna Arena.

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Hatten Sie das Gefühl, jetzt das deutsche Team retten zu müssen? Als Philip geschwommen ist, war ich beim Einschwimmen und habe das mitbekommen. Und Marco habe ich im Call Room im Fernsehen gesehen. Aber in so einem Moment denkt man eher an sicher selber. Ich wusste, dass ich fit bin. Ich habe versucht bei mir zu bleiben und meine Leistung abzurufen.

Haben Sie sich das Rennen nochmal angesehen und analysiert? Ich habe es mir gestern das erste Mal angeschaut. Aber auf Analyse hatte ich noch keinen Bock, ich will jetzt meine Medaille genießen. Es hat sich aber bestätigt, was alle gesagt haben. Wäre die Bahn fünf Meter länger gewesen, hätte ich wahrscheinlich Gold gewonnen. Doch ich bin glücklich so, wie es ist. Das ist mit Abstand der größte Erfolg meiner Karriere und mit Blick auf Tokio nochmal ein Motivationsschub.

Erhoffen Sie sich durch die Medaille mehr Ruhe in der Vorbereitung und weniger Einmischung durch den Verband? Wahrscheinlich wird das nicht eintreten.

Wie geht es für Sie weiter? Ich schwimme jetzt die Weltcups in Moskau, Berlin und Eindhoven und fahre danach in den Urlaub. Eine Woche Österreich habe ich mir ausgesucht und ein paar Tage Ostsee. Und dann bin ich froh, auch mal zu Hause zu sein.