1.000 Schwimmer und ein flauschiger Bademantel

SWIM-Leser kennen sie als kompetente Produkttesterin. Am Wochenende schwamm Katharina Stephan beim 53. Sundschwimmen zwischen Altefähr auf Rügen und Stralsund. Mit großem Erfolg.

| 3. Juli 2017 | AKTUELL

Die Hamburger Schwimmer mit den Gesamtsiegern Sebastian Barsch (links) und Katharina Stephan (Mitte) haben Grund zur Freude.

Die Hamburger Schwimmer mit den Gesamtsiegern Sebastian Barsch (links) und Katharina Stephan (Mitte) haben Grund zur Freude.

Foto >privat

Freiwasserschwimmen habe ich schon viele gesehen, aber das bekannteste und größte in Deutschland stand bislang nicht auf meiner Liste. Das sollte sich dieses Jahr endlich ändern: Im Januar entschied sich unsere kleine Hamburger Gruppe am 53. Sundschwimmen zwischen Altefähr auf Rügen und Stralsund teilzunehmen.

Eine Erkältung in der letzten Woche ließ das Unternehmen nochmal wackeln, bis Samstagmorgen hielt ich mir meinen Start beim 2,3 Kilometer langen Traditionsschwimmen offen. Schlussendlich wollte ich es mir dann aber doch nicht nehmen lassen. Zumal es kaum einen Unterschied gemacht hätte, denn auch Zuschauen war bei strömendem Regen und frischen 16 Grad nicht wirklich attraktiver.

Punkt 12 Uhr ging es los – 13 Langbusse brachten uns und die anderen 1.000 Teilnehmer von Stralsund über den Rügendamm nach Altefähr auf Rügen. Ich war froh über meinen Sitzplatz, denn die Fahrt zog sich gefühlt ewig. In Altefähr angekommen, es waren noch 30 Minuten bis zum Start, wurde mir erstmals bewusst, welche Menge mehr als 1.000 Starter bedeuteten.

Traditioneller Frühstart

Schnell noch mit Vaseline eingeschmiert, die sollte bei 18 Grad und Neoprenverbot auf jeden Fall etwas helfen und schon ging es an den Start. Die meisten Athleten standen schon an der Linie im ein Meter tiefen Wasser, doch meine Devise war, so spät wie möglich ins Wasser zu springen, um nicht kalt zu werden. Kurz vor dem Start schlängelten wir uns durch die Massen, um einen Platz ganz vorn zu bekommen. Hinweisschilder informierten über die verbleibende Zeit bis zum Start, doch wir hatten schon gehört, dass es immer einige Schwimmer gibt, die etwas eher losschwimmen.

Beim Schild „2 min bis zum Start“ wurde die Menschenmasse langsam unruhig und als ich kurz darauf nach rechts schaute, hatten sich bereits viele Schwimmer auch den Weg gemacht ohne einen Startschuss oder wenigstens den Countdown abzuwarten. Das war natürlich nicht der Start, den ich mir vorgestellt hatte und so musste ich auf den ersten hundert Metern erstmal viele andere Schwimmer überholen.

Chaos-Start und angenehme 18 Grad

Da mir im chaotischen Startgetümmel etwas die Orientierung abhandenkam und auch noch meine Brille beschlug, irrte ich zunächst viel zu weit rechts durch den Strelasund. Die vielen Begleitboote schienen kreuz und quer durch das Wasser zu schippern, und ich war froh, als nach rund fünf Minuten die erste Richtungsboje in meinem Blickfeld auftauchte. Außerdem sah ich nun auch endlich die extra aufgestellten Scheinwerfer am Stralsunder Ufer (vielen Dank dafür!). Sie machten die Orientierung jetzt wesentlich einfacher, denn es ging nur noch geradeaus.

Wirklich angenehm war das Ostseewasser, die 18 Grad empfand ich als nahezu perfekt, und es gab nur kleine Wellen - etwas Gutes muss der viele Regen ja haben. Das gesamte Rennen über schwamm ich mehr oder weniger allein, begleitet nur von einem Rettungsskipaddler. An welcher Position ich lag, davon hatte ich aufgrund des unübersichtlichen Starts keine Ahnung.

Bademantel und Blumenstrauß

Das Licht der Scheinwerfer kam immer näher und dann ging es doch schneller als gedacht. Immer noch einsam und allein erreichte ich das Ziel, um das sich trotz Schmuddelwetters mehrere Hundert Zuschauer versammelt hatten. Doch wo hatte ich mich platziert? Top Ten? Oder waren doch noch mehr an mir vorbeigezogen? War eine andere Frau schneller?

All meine Fragen beantworteten sich direkt hinter der Ziellinie, als man mir einen flauschigen Bademantel umlegte und einen großen Blumenstrauß in die Hand drückte. „Herzlichen Glückwunsch, du bist die schnellste Frau.“ Wow! Platz eins bei den Frauen und Rang fünf insgesamt, das ist für die gesundheitlichen Voraussetzungen und vor allem für die Zusatzmeter doch mehr als akzeptabel. Dass auch der Gesamtsieger Sebastian Barsch zur Hamburger Reisegruppe gehörte, ließ uns gleich doppelt jubeln und machte den Ausflug zumindest für uns perfekt.

Im Vergleich zu den Vorjahren waren die Zeiten dieses Mal recht langsam. Fast sechs Minuten länger als gewöhnlich waren die Schnellsten unterwegs, was für viel Gegenströmung spricht. Insgesamt mussten 46 Menschen von den Rettern aus dem Wasser gezogen werden, laut Veranstalter gab es aber keine schwerwiegenderen Vorfälle. Ein großes Lob geht an die Ausrichter der DLRG Stralsund, trotz der vielen Starter merkte man die Routine bei der 53. Auflage, alles war professionell und mit Liebe zum Detail organisiert. Mein persönliches Fazit: Ich werde wiederkommen.

Ergebnisse, Männer

PlatzNameZeit

1

Sebastian Barsch (Hamburg)

30:38 min

2

Oliver Kusch (Berlin)

30:42 min

3

Ralf Labecki (Rostock)

31:26 min

4

Tom Maron (Bremen)

32:25 min

5

Karsten Sasse (Hamburg)

33:29 min

6

Matthias Krause (Hamburg)

34:05 min

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Ergebnisse, Frauen

PlatzNameZeit

1

Katharina Stephan (Hamburg)

33:02 min

2

Tina Kehlitz (Wittenberg)

34:57 min

3

Dörte Kamrau (Rostock)

37:08 min

4

Paulin Wendler (Leipzig)

37:36 min

5

Ina Ziegler (Berlin)

37:48 min

6

Annika Bennemann (Oer-Erkenschwick)

37:57 min

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